Sketche

Wie erfindet man ein Theaterstück für Kinder?

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Am besten mit den Kindern zusammen

Es gibt weder einen Geheimtip noch ein allgemeingültiges Rezept. Es kommt auch hier ganz auf die Persönlichkeit des Gruppenleiters an, auf die Art des Kontaktes, den er mit den Kindern hat. Die Kinder müssen sich ihm gegenüber ganz frei fühlen, mit ihm lachen und blödeln und übermütig wild sein können, ohne dass jedoch das Ganze ins allzu Maßlose absackt und nichts mehr herauskommen kann. Es ist eine Frage des inneren Maßes, das der Leiter hat, oder nicht hat und das sich ganz von selber den Kindern mitteilt.

Dem Leiter sollte das Theatermachen mindestens so viel Spaß bereiten wie den Kindern

Was wieder nicht heißt, dass er überinitiativ alle Ideen selber gibt, die Kinder erdrückt. Es ist eine Tatsache und sehr schwer durchzuführen - Du mußt selbst immer viele Ideen haben, sie aber nur äußern, wenn die Kinder allzu sehr stecken bleiben und nicht mehr weiter kommen. Oftmals sind auch die von den Kindern erfundenen Spiele nicht ganz spielbar oder zu langfädig oder sonstwie langweilig. Es kann sein, daß ein Kind gerade so eine unspielbare Szene liebt und verletzt ist, wenn sie gestrichen werden sollte. Liebevoll muß man versuchen, es nicht zu verletzen und trotzdem, vielleicht durch Kompromisse, ein gutes Stück zu bekommen.

Es gibt wohl nichts schöneres für einen Gruppenleiter, als mit einer befreundeten und vertrauenden Gruppe Kinder zusammen ein Stück zu erfinden. Die Ideen kommen von allen Seiten, die Kinder sind ganz präsent, begeistert, konzentriert, eine schöne Gemeinsamkeit durchdringt alles. Daraus entsteht dann eine echte Einsatzbereitschaft, die standhält. Eine gute Aufführung kann daraus hervorgehen, an die die Kinder sich noch jahrelang gerne erinnern. Jahre später trifft man dann einen bärtigen brummigen 18jährigen, der schon im Beruf steht und einem strahlend sagt:"Weißt du noch, damals, wie ich den Drachen spielte? Lässig war's."

Woher nimmt man die Ideen? Wie führt man sie aus?

Es ist immer schwierig fertige Stücke zu finden, die den Kindern gefallen und den Voraussetzungen (Personen, Dauer, Thema...) entsprechen. Am besten erfindet man sie mit den Kindern selber, dabei soll man von einfachen Situationen ausgehen und die Handlung stufenweise mit weiteren Elementen bereichern. Auf diese Weise sind die Theaterstücke maßgeschneidert für die Gruppe: Spielerzahl, Dauer, Lieblingsrollen und die Fähigkeiten der Einzelnen werden optimal ausgenützt.

Nicht immer ist die ganze Gruppe am Theaterspielen interessiert, manche Kinder könnten also die Herstellung der Masken und Requisiten übernehmen, während sich die anderen nur auf das Spiel konzentrieren.

Weiters sind selbsterfundene Theaterstücke beim Proben von Vorteil, da die Kinder schon beim Erfinden die Rollen einlernen und am Gelingen des Stückes mehr Interesse haben. Das Erfinden von Theaterstücken ist sicher aufwendig und braucht viel Zeit (man kann sich auf kurze Stücke beschränken), aber es zahlt sich sicher aus so ein Erlebnis durchzumachen, denn hier können viele Fähigkeiten der Kinder zum Ausdruck kommen (Phantasie, Mimik, Basteln, Malen, Kommunikation...) und angeregt werden. Es ist auch wichtig, dass Kinder andere Verhaltensweisen ausprobieren können, denn hier ist es erlaubt und niemand wird ausgelacht. Damit ergibt sich die Möglichkeit einer besseren Charakterbildung (manche möchten gerne bestimmte Charakterzüge ändern, getrauen sich aber nicht da sie nicht ausgelacht werden möchten).

Längere Theaterstücke könnte man im Laufe des Jahres zusammenstellen, damit es für die Kinder nicht allzu streng wird. Statt zwei Monaten Intensivarbeit könnte man alle zwei Wochen eine oder zwei Stunden hernehmen, so ließen sich mehr Ideen sammeln und besser ausarbeiten.

Fertige Theaterstücke sind natürlich nicht wegzuwerfen, es empfiehlt sich, diese der Gruppe und der Angelegenheit anzupassen, d.h. Personen hinzufügen oder kürzen, ebenfalls für die Dauer, das Stück vereinfachen, da es für die Altersgruppe zu schwierig ist usw. Bei vielen Theaterstücken ist es wichtig, in der eigenen Mundart zu spielen und Orts- und Menschennamen der Umgebung zu entnehmen, so dass sie an Humor, Lebendigkeit und Attraktion gewinnen.

Aus dem Faschingsbehelf - erhältlich im Jungscharbüro

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