Nichtstun ist auch etwas

Kinder und Langeweile

Eltern müssen nicht Animateure sein

Deshalb ist Kofler auch dafür, dass Eltern nicht zu Animateuren für ihre Kinder werden. "Wenn ein Kind sagt, ihm ist langweilig, wird es vielfach sofort beschäftigt und mit Angeboten überhäuft. Dabei muß man Kindern nur Ruhe und Zeit lassen und sie beschäftigen sich ganz von alleine mit irgendetwas. Wir müssen einfach die Geduld aufbringen, unseren kindern dabei zuzusehen, nicht einzugreifen, sie durchaus auch einmal "raunzen" zu lassen.
Nicht alle Kinder sind in ihrem Verhalten gleich. Einige beschäftigen sich viel mit sich selbst, andere wiederum müssen mehr animiert werden. Doch grundsätzlich machen Kinder von sich aus das, wozu sie Lust haben, wonach ihnen ist. "Durch Langeweile wird Kreativität des Kindes gefördert und es entwickelt von sich aus neue Ideen. Deshalb ist das "Herumhängen" auch in Wirklichkeit eine sehr aktive Zeit und es ist von großer Bedeutung, die Freizeit von Kindern als die Freiheit zu einem selbstgewählten Tun zu verstehen. Das führt autmatisch dazu, dass Kidner lernen können und sollten, ihre zeit zu gestalten - und dies zu verantworten."

Veränderte Wahrnehmung von Zeit

Das Wahrnehmen von Zeit hat sich in den letzten 40 Jahren in Mitteleuropa drastisch verändert: heute erlebt ein Mensch in unserer Region Zeit 35-mal schneller als noch im Jahr 1960. Zu dieser Zeit gab es auch noch kaum Autos, Flugreisen, Computer und Fernsehen: Alle diese schnellen medien führen dazu, dass die Menschen die Überbrückung von Räumen wesentlich schneller erleben und oft dadurch überfordert werden. Das Problem sei heute vor allem, dass gerade Kinder und Jugendliche nicht merh erfahren, dass es zwischen dem Aufwallen eines Wunsches und seiner Befriedigung eine Zeit des Wartens geben muss. Diese Zeit des Wartens muss, mehr noch als von den Kidnern, von den Erwachsenen wiederentdeckt werden. Dabei kann etwas vom trödeln und der langen Weile der Kinder ruhig auf die Erwachsenen abfärben.

Sonntagsblatt Nr. 30 vom 21.07.2002

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