Die Rechte der Kinder und Jugendlichen

Minderjährig ist eine Person bis zur Vollendung des achtzehneten Lebensjahres. In dieser Zeitspanne - in die Kinder und Jugendliche fallen - sind die Personen Inhaber von Rechten (sie können zum Beispiel erben), d.h. sie besitzen die Rechtsfähigkeit, nicht aber die Geschäftsfähigkeit (sie können zum Beispiel nicht über eine Erbschaft verfügen). Die rechtliche Vertretung eines Minderjährigen liegt im Regelfall bei beiden Eltern, bei deren Ausfall bei einem Vormund. In dieser Rechtsstellung kommt ein Schutzbedürfnis von Personen zum Ausdruck, von denen angenommen wird, dass sie ihre Interessen und ihre Rechte nicht selbst wahrnehmen können.

Diese Sehweise enstpringt einer Einstellung der Gesellschaft, wonach Minderjährige schwache Menschen sind, die von den Erwachsenen wohlwollend unter die Fittiche genommen werden müssen und diesen dankbaren Gehorsam schulden. Das mag zum Teil zutreffen, vor allem wenn es sich um Kleinkinder handelt; es darf jedoch nicht vergessen werden, und das geltende Familienrecht macht dies deutlich, dass der Minderjährige konkret Träger autonomer subjektiver Rechte und damit vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist. So ist es auch in der UNO-Erklärung der Rechte des Kindes aus dem Jahr 1959 zu lesen, die für eine Stellung des Minderjährigen als echtes Rechtssubjekt und nicht mehr als Empfänger von Entscheidungen der Erwachsenen plädiert. Einige wichtige Rechte der Minderjährigen wollen wir nachfolgend besprechen.

Staatsbürgerschaft

Italienischer Staatsbürger ist, wer von italienischen Eltern abstammt, wer in Italien als Kind unbekannter oder staatenloser Eltern geboren ist oder adoptiert wurde. Die Staatsbürgerschaft kann auch auf andere Weise erworben werden, worauf hier jedoch nicht eingegangen werden soll. Staatsbürgerschaft bedeutet Zugehörigkeit zum italienischen Staat, d.h. der Staatsbürger ist Inhaber aller vom Gesetz vorgesehenen bürgelichen und politischen Rechte. Hierzu gehört als Grundrecht der Minderjährigen das Recht auf Unterhalt, Ausbildung, Erziehung und Sorge, soweit möglich im Kreis der Familie, die nach dem Gesetz der Ort ist, an dem diese Rechte am besten befriedigt werden können.

Elterliche Sorge

Haben die Minderjährigen das Recht auf Unterhalt, Ausbildung, Erziehung und Sorge, so kommen innerhalb der Familie den Eltern (oder den Erziehungsberechtigten) laut Gesetz alle Befugnisse/Verpflichtungen zu, diese Rechte zu wahren. Dabei soll die Eltern-Kind-Beziehung nicht autoritär sein, sondern geprägt von der Achtung der Würde des anderen, nach Kriterien der Vernunft und der Wahrung der Freiheit und der Selbsbestimmungsmöglichkeit des Minderjährigen. Vernachlässigen oder missbrauchen die Eltern ihre Pflichten der elterlichen Sorge, zieht die zivil- und strafrechtliche Sanktionen nach sich; diese können allerdings nicht ohne weiteres vom Minderjährigen erwirkt werden, dem nach dem Gesetz zwar viele Rechte, aber wenige Möglichkeiten zustehen, diese Rechte direkt durchzusetzen.. Es können hier nicht alle Fälle der Pflichtverletzung oder des Missbrauchs aufgeführt werden, die im Rahmen der Ausübung der elterlichen Sorge möglich sind. Erwähnen wollen wir jedoch die Fälle, in denen der Minderjährige direkt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige oder Bericht erstatten kann, wobei er sich möglichst zuvor eingehend mit einer Person seines Vertrauens beraten oder von den Fachkräften einer Familienberatungsstelle helfen lassen sollte. hierzu gehören: Verletzung der Fürsorgepflichten, sei es im Hinblick auf den Unterhalt, sei es auf psychischer Ebene; missbräuchlier Einsatz von Bestrafungsmitteln; Misshandlungen in der Familie; Beschimpfungen; Prügel etc.

Rechte des Minderjährigen in der Privatsphäre

Leider werden nur zu oft die elementarsten Rechte des Minderjährigen auf Provatsphäre missachtet, nicht nur durch Ausenstehende, sndern auchund vor allem durch die Eltern. zu den häufigsten Rechtsverletzungen gehören: das Öffnen, Lesen und Beschlagnehmen von Briefen; die Kontrolle und Beschlagnahme von persönlichen Gegenständen (meist des Tagebuchs); die ungerechtfertigte Hinderung des Minderjährigen, Freundschaften und Beziehungen einzugehen und zu pflegen; Beschimpfungen und Beleidigungen in der Öffentlichkeit, die einen Angriff auf die Ehre und ds ansehen des Minderjährigen darstellen.

Einen besonderen Hinweis verdient die Ausübung der sexuellen Freiheit durch den Minderjährigen. Es war dem gesetzgeber ein großes Anliegen, Minderjährige vor sexueller Gewalt durch Erwachsene zu schützen, weshalb sexuelle Handlungen eines Erwachsenen mit Kindern unter 14 Jahren (in einigen Fällen unter 16 Jahren) als Straftat gelten. Mit anderen Worten: Das Gesetz geht davon aus, dass ein Kind unter 14 Jahren nicht fähig ist, sexuelle Beziehungen mit Einwilligung zu haben. Jedoch kann der Minderjährige mit vollendetem 13. Lebensjahr sexuelle Beziehungen mit Gleichaltrigen oder mit Jugendlichen unterhalten, die nicht mehr als 3 Jahre älter sind.

Auch der Zugang zu Empfängnisverhütungsmitteln ist ein Recht des Jugendlichen, das er ausüben kann, ohne die Eltern informieren zu müssen. Dabei kann er alle gewünschten Informationen und Verschreibungen bei den Beratungsstellen bzw. bei seinem Arzt einholen, die natürlich der beruflichen Schweigepflicht unterliegen. Im Falle einer Schwangerschaft hat eine minderjährige das gleiche Recht auf Unterbrechung wie eine erwachsene Frau. Für Jugendliche unter 16 Jahren ist eine Anerkennung des Kindes nicht möglich. Jugendliche zwischen vollendetem 16. und 18. Lebensjahr können direkt beim Jugendgericht die Genehmigung zur Eheschließung beantragen; die Erteilung der Genehmigung erfolgt jedoch nicht so sehr und nicht allein wegen der bestehenden Schwangerschaft, sondern aufgrund einer Gesamtbeurteilung der Situation und der psychischen und körperlichen Reife des Paares. Die Genehmigung zur Eheschließung kann nicht von den Eltern der Minderjährigen oder von anderen Personen beantragt werden.

Die Schule

In Italien gibt es die sogenannte Pflichtschule, die die Grund- und Mittelschule umfasst. Der Schulbesuch bis zum vollendeten fünfzehnten Lebensjahr ist daher nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht, und bis zu diesem Alter kann der Minderjährige nicht von der Schule gewiesen werden. Nach der Schulpflicht hat der Jugendliche das Recht, sich für den Besuch einer weiterführenden Schule zu entscheiden, wobei ihm der Bildungsweg empfohlen, aber nicht aufgezwungen werden kann. Die Eltern sind verpflichtet, die Kosten für den weiteren Schulbesuch zu tragen; sind sie dazu nicht in der Lage, muss dem Jugendlichen, der "fähig und begabt" ist, nach Artikel 34 der Verfassung der Weiterbesuch der Schule dadurch ermöglicht werden, dass ihm Stipendien oder andere Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.

Die Arbeit

Mit 15 Jahren, nach Absolvierung der Pflichtschule, hat der Jugendliche das Recht, vom Bürgermeister seiner Wohngemeinde das sogenannte "Arbeitsbuch" zu erhalten und sich in die Arbeitsvermittlungslisten einzutragen. Bereits mit 14 Jahren darf der Jugendliche in der Landwirtschaft, im Dienstleistungsgewerbe, im Haushalt arbeiten und in der Industrie leichte arbeiten verrichten. Vor seinem 16. Lebensjahr darf er nicht für ermüdende, gefährliche und ungesunde Arbeiten, bei der Reinigung und Bedienung von laufenden Motoren und für Arbeiten in Lokalen, in denen alkoholische Getränke ausgeschenkt werden. (Der Ausschank von alkoholischen Getrönken an Jugendliche unter 16 Jahren und der Verkauf von tabak an Jugendliche unter 14 Jahren ist verboten).

Gesundheitsfürsorge

Die Gesundheit ist ein in Artikel 32 der Verfassung garantiertes Grundrecht jedes Bürgers, und damit auch des Minderjährigen. Der Begriff Gesundheit umfasst nicht nur die körperliche Gesundheit - sie wird erlangt und erhalten durch Vorsorge- und Heilmaßnahmen bzw. durch Rehabilitationsmaßnahmen für Personen, die zwar geheilt, aber nicht gänzlich wiederhergestellt sind - , donern auch eine körperliche, geistige und soziale Gesamtverfassung, die sich mit dem Begriff Wohlbefindenausdrücken lässt.

Gesund Leben Jahrgang V Nr. 1

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