Haftpflichtversicherung

Haftung und Schuld

Von Ausnahmen abgesehen darf niemand zur Verantwortung gezogen werden, der an seinem Fehlverhalten nicht selbst Schuld ist, d.h. sich nicht absichtlich oder fahrlässig falsch verhalten hat.
Um festzustellen, ob jemand fahrlässig gehandelt, oder "gut aufgepasst" hat oder nicht, muß man sich überlegen, wie eine vorsichtige Person sich in der selben Situation verhalten hätte; welches die normalen Vorsichtsmaregeln in einer derartigen Situation gewesen wären, ob diese konkret eingehalten wurden usw.

Beispiel: die Ministrantengruppe unternimmt, von genügend und erfahrenen Leitern geführt, einen Wanderausflug. Alle Teilnehmer tragen Bergschuhe und sind auch sonst "alpintauglich" ausgerüstet. Der plötzlich aufkommende starke WInd reißt von einem Baum neben dem Weg einen Ast ab, der eines der Gruppenmitglieder verletzt.

Die Gruppenleiter haben sich korrekt verhalten; trotzdem ist etwas passiert", aber sie haften nicht, weil man ihnen keine Unvorsichtigkeit vorwerfen kann.

Wenn aber trotzdem "etwas passiert"?

Für den Fall, dass "etwas passiert", hat die Jungschar eine sogenannteHaftpflichtversicherung abgeschlossen. Diese Versicherung steht für alle unabsichtlich verursachten Schäden bis zum Höchstbetrag von 5 Mio. Euro gerade, die

  • Mitarbeiter jeglicher Art (Ehren- und Hauptamtliche sowie Gruppenleiter) im Rahmen ihrer Tätigkeit dem Verein, seinen Mitgliedern und Außenstehenden zufügen
  • Der Verein den MitarbeiterInnen, den Mitgliedern und Außenstehenden zufügt (auch dadurch, daß auf Mitglieder zu wenig "aufgepasst" wird, so daß diese MitarbeiterInnen oder Dritten Schaden zufügen können);
  • Mitglieder während der Vereinsaktivitäten verursacht haben, und das sowohl andern Mitgliedern als auch MiterbeiterInnen, dem Verein und Dritten gegenüber.

So lange ein Gruppenmitglied oder ein Gruppenleiter also nicht absichtlich einen Schaden verursacht, greift diese Versicherung.

Schäden sofort der Jugendstelle melden

Wenn "etwas passiert" ist, dann ist der Unfall oder Schaden so bald als möglich (auf jeden Fall innerhalb von 5 Kalendertagen) der Jugenstelle zu melden. Die Meldung muß folgendes beinhalten:

  • Den genauen Hergang des Unfalls
  • Ort, Datum und Uhrzeit
  • Wer den Schaden verursacht hat
  • Welcher Ortsgruppe der Schadensverursacher angehört
  • Name und Anschrift des Geschädigten
  • Genaue Adresse u. Tel. des Jugscharleiters
  • Beschreibung des Schadens

Um alles weitere kümmert sich die Jugendstelle. Trotzdem kann eine Entschuldigung beim "Opfer" gewiß nicht schaden ....

Wann hafte ich als Gruppenleiter dann konkret?

Wenn sich der Gruppenleiter umsichtig verhält, praktisch nie. Wenn der Gruppenleiter unvorsichtig handelt und daraus nicht nur Sachschaden entsteht, sondern sich eine Person verletzt oder gar stirbt, könnte es zu einem Strafverfahren kommen, das aber mit einer Geldstrafe, höchstens einer bedingten Haftstrafe endet.

Abschließend

Das bisher Geschriebene klingt streng, und manch einer mag überlegen, ob es sich denn wirklich auszahlt, unentgeltlich den eigenen Kopf hinzuhalten. In Wirklichkeit kommt es nur selten zum "Ernstfall", und selbst dann sollte die Versicherung praktisch vor allen Folgen schützen: um strafrechtlich belangt zu werden, muß schon einiges schieflaufen. Sollte es wirklich zu einem Strafverfahren kommen, läuft praktisch alles auf die Frage hinaus, ob sich die Verantwortlichen in der jeweiligen Situation umsichtig verhalten haben: Wer sich bei Planung der Vereinsaktivitäten und Aufsicht der Gruppeenmitglieder nichts zu Schulden kommen lässt, braucht auch keine Strafe zu fürchten.

Entsprechend gilt:

  • Maximale Sorgfaltspflicht: sich als Faustregel stets so verhalten, wie man es von jemandem erwartet, der seinen liebsten Menschen betreut. Dann droht auch keine Gefahr
  • Besonders bei Ausflügen, Zelt- und Hüttenlagern: das Zahlenverhältnis zwischen Gruppenleitern und Mitgliedern muß stimmen.
  • Keine gefährlichen Spiele unter den Gruppenmitgliedern zulassen bzw. solche sofort abbrechen.
  • Gruppenmitglieder als Bestrafung nie schlagen, sondern nur verweisen und im Notfall nach Hause schicken (wenn minderjährig, unbedingt unter Begleitung eines Volljährigen).
  • Kein Alkohol (auch und vor allem die Gruppenleiter nicht!).
  • Wann immer ein Unfall/Schaden passiert, die Folgen möglichst gering halten, sofort der Vereinsleitung melden und den Schaden selbst oder mit Hilfe der Versicherung freiwillig so weit als möglich wiedergutmachen
  • Selbstbehalt bei Sachschäden i.H.v. Euro 130,00

Wenn es noch weitere Fragen gibt, helfen wir Dir im Jungscharbüro gerne weiter!

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