Passionsspiel

Personen: (19 + Volk) Jesus
1. Hohepriester
2. Hohepriester
1. Bürger
2. Bürger
3. Bürger
Ältester
ein Weib
junger Mann
Pontius Pilatus
Judas Ischariot
Mutter Maria
Magdalena
Johannes
Rechter Schächer
4 Soldaten
einige (Volk)
Spieldauer ca. 20 Minuten
Szene: 1. Gerichtssitzung der Hohepriester,
2. bei Pontius Pilatus,
3. Golghota
1. Szene Gerichtssitzung der Hohepriester
1. Hohepriester: (zum Ältesten) Auf dein Wort halten wir viel. Bring nun im Namen der Gemeinde vor, was du gegen ihn zu sagen hast.
Ältester: Ich kann wohl in eurem Namen reden, doch nicht wie ihr meint
1. Bürger: Stehst du denn auf seiner Seite?
Ältester: Ich bin nicht eurer Meinung, aber ich stehe auch nicht auf seiner Seite.
2. Bürger: Rede! Rede in unserem Namen!
1. Hohepriester: Was hast du gegen ihn zu sagen?
Ältester: Was soll ich gegen ihn zu sagen haben? Alle hast du schon befragt. Was haben sie gegen ihn bezeugen können? Nichts! Keinen Schritt seid ihr vorwärts gekommen. Die Zeugen? Es sind Leute, die nicht an seine neue Lehre glauben. Wenn er nichts getan hat, was zu bestrafen ist, dann laßt ihn laufen!
1. Bürger: Du verteidigst ihn!
Ältester: Ihr habt mich zu Gericht gerufen, aber es ist kein Verbrecher da.
1. Hohepriester. Du redest, als ob du unser Feind wärst!
Ältester: Ich bin nicht euer Feind, das wißt ihr so gut wie ich!
1. Hohepriester: Gut, du hast also nicht gegen den Nazarener zu sagen. Dann trete eben ein anderer vor und sage aus.
1. Bürger: Er hat einmal gesagt: ich will den Tempel, der von Menschenhand erbaut ist, zerstören und einen anderen Tempel, der nicht von Menschenhand erbaut ist, aufbauen.
1. Hohepriester: Das hat er gesagt?
2. Bürger: Ja, auch ich habe es mit meinen eigenen Ohren gehört.
1. Bürger: Eine frevelhafte Drohung!
Ältester: Das ist doch nicht wörtlich zu nehmen
1. Bürger: Er will den Tempel zerstören, das hat er gesagt!
2. Bürger: Ich bin Zeuge!
1. Hohepriester: (tritt vor Jesus) Antwortest du nicht auf diese Vorwürfe?
Jesus: (Schweigt)
1. Bürger: Darf denn eine solche Drohung ohne Sühne bleiben?
Ältester: Ihr seht, er antwortet nicht. Wißt ihr, warum er nicht antwortet?
1. Bürger: Weil er überwiesen ist!
2. Bürger: Weil er seine Schuld einsieht!
1. Hohepriester: Wer unseren Tempel, unser heiligstes Gut bedroht, der ist schuldig des Todes!
Bürger: Schuldig! Überwiesen ist er! Schuldig!
Ältester: Ich warne euch, Hohepriester und Bürger! Ihr seht, er nimmt seine Drohung selbst nicht ernst. Er ist ein Sektierer, wie es sonst noch genug gibt. Es sind Bildworte, die er spricht! Nehmt die Drohung als Drohung! Verbietet ihm die Stadt - das ganze Land! Bedenkt aber: wir dürfen nur vollbrachte Taten bestrafen!
3. Bürger: Er hat recht, ein Bildwort ist es!
1. Bürger: Nehmt das nicht zu leicht! Vergesst nicht, daß er heute schon eine große Gemeinde um sich versammelt hat: Handwerker, Fischer, Knechte, Männer und Frauen aller Stände. Ein Wort von ihm setzt alles in Bewegung. Er allein kann den Tempel nicht zerstören, Hunderte aber können es.
2. Bürger: Denkt an Barabbas! Vor vierzehn Tagen haben wir ihn eingekerkert. Zuerst war er allein, bald waren es hundert, die raubten und mordeten!
Ältester: Gut, dann jagt den Nazarener aus dem Lande" Verbannt ihn!
1. Bürger: Umso mehr würden wir seinen Hass spüren!
1. Hohepriester: (zu Jesus) Hast du gehört, was sie gegen dich sagen?
Jesus: (schweigt)
1. Hohepriester: Du wirst beschuldigt, deine Anhänger gegen uns zu hetzen. Du bist verdächtigt, daß du deine Gemeinde für die Zerstörung des Tempels gewinnen willst.
Jesus: (schweigt)
Ältester: Was willst du mit deinen Anhängern?
1. Hohepriester: Was lehrst du sie im Geheimen?
Jesus: Ich habe allezeit in der Synagoge oder im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, gelehrt und habe nichts im Geheimen geredet. Warum fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich gelehrt habe.
1. Bürger: Empörend, wie er mit unserem Hohepriester spricht!
2. Bürger: Da - für deine Antwort (schlägt ihn)
Jesus: Habe ich Unrecht geredet, beweise es, habe ich aber recht, warum schlägst du mich?
1. Bürger: Wie er redet! Empörend! Schlagt ihn, schlagt ihn!
Ältester: Halt! Wagt es nicht! Wir dürfen dem Angeklagten nicht das Recht der Verteidigung nehmen!
2. Bürger: Wir dürfen ihn zurecht weisen, wenn er sich so benimmt.
Weib: Was gibt es denn so wichtiges?
3. Bürger: Gerichtssitzung.
Weib: Wer ist der Angeklagte?
3. Bürger: Der Jesus aus Nazareth
Weib: So, was hat er getan?
1. Hohepriester: Habt, ihr gehört! Er bestreitet nicht, daß er den Tempel bedroht hat!
Bürger: Tempelschänder!
2. Hohepriester: Versteht ihr, gute Bürger, was er will? Er will unseren zerstören, um dann selbst Hohepriester zu werden!
2. Bürger: Schande über dich, Nazarener!
Alle: Tötet ihn, bevor er uns tötet!
Ältester: Ich warne euch abermals. Auf frevelhafte Drohung steht nicht Tod. Bestraft ihn meinetwegen für diese Drohung aber, ich beschwöre euch: ruft nicht die Rache unseres großen Gottes über uns!
3. Bürger: Du hast recht: für frevelhafte Drohung steht nicht Tod nach unserem Gesetz. Tod steht für Mord. Tod steht aber auch noch für ein anderes Verbrechen: Wer sich zum Sohn Gottes macht, der ist des Todes schuldig. Und er hat gesagt, er sei der Sohn Gottes.
Ältester: Wo sind Zeugen?
Einige: Hier! Hier! Ich habe es auch gehört!
2. Bürger: Verhört ihn, er soll Rede und Antwort stehen!
1. Hohepriester: Ich frage dich, Jesus von nazareth: Bist du Christus der Sohn des allmächtigen Gottes?
Jesus: Ich bin es, und ihr werdet mich zu seiner Rechten sitzen sehen.
Ältester: Er hat nun sein Urteil selbst gesprochen.
1. Hohepriester: Was brauchen wir jetzt noch Zeugen? Ihr habt die Lästerung gehört!
Volk: Gotteslästerer! Er ist des Todes schuldig!
Junger Mann: Er ist der Sohn Gottes! Wahrhaftig! Glaubt mir, Gottes Sohn, der König der Juden ist er! Befleckt euch nicht mit dem Blute eines Gerechten! Tötet euren Gott!
Volk: Eines Gerechten?
Junger Mann: Hungrige hat er satt gemacht, Lahme standen auf! Tote wurden unter seiner Hand lebendig! Kranke hat er geheilt!
2. Bürger: Das ist wahr. Ich und viele andere können dies bezeugen.
Weib: Was sagst du? Es ist wahr? Tote macht er lebendig?
3. Bürger: (für sich) Ist er wirklich Sohn Gottes? Laßt mich hören!
1. Hohepriester: Jetzt oder nie! Wenn er gewinnt, sind wir verloren! Unsere Religion steht auf dem Spiel.
2. Hohepriester: Ich glaube, wir haben gewonnen. (Zum Rat und dann zum Volk) Dieser junge Mann hat recht! Wir dürfen uns nicht mit Blut beflecken. Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten. Wir unterstehen dem römischen Kaiser. Darum lassen wir den römischen Statthalter das Urteil sprechen. Wir klagen den Nazarener des offenen Aufruhrs an.
1. Hohepriester: Du hast recht! Wir wollen ihn zu Pontius Pilatus führen. Der soll ihn verhören!
Volk: Ja, zu Pontius Pilatus! (Musik einblenden)
2. Szene: Bei Pontius Pilatus
Volk: Pilatus! Pontius Pilatus!
Pilatus: Was wollt ihr schon wieder?
1. Hohepriester: Herodes schickt uns. Er sagt, es stehe dir zu, den Nazarener zu verhören. Wir klagen ihn an, und du musst ihn richten.
Pilatus: Ihr klagt ihn des offenen Aufruhrs an. ich, wie Herodes auch, haben nichts an ihm gefunden. Man hat ihm nichts nachweisen können, was den Tod verdient. Was wollt ihr also?
1. Hohepriester: Höre, Volk von Jerusalem! Der römische Statthalter findet den Nazarener nicht schuldig des Todes! Er muss den Jesus verhören, wenn er der Statthalter der römischen Kaisers sein will!
Volk: Verhöre ihn! Wir fordern es!
Pilatus: (zu Jesus) Hast du gesagt, das Volk solle dem Kaiser den Zins verweigern?
Jesus: Ich habe gesagt: Gebet dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.
2. Bürger: Das hat er gesagt.
3. Bürger: Ja, genau so hat er gesprochen!
2. Hohepriester: Gut - aber, er sagt von sich, dass er der König der Juden sei.
Pilatus: Bist du der König der Juden?
Jesus: Du sagst es.
1. Hohepriester: Du hast es gehört! Ist das nicht ein Angriff auf die Macht des Kaisers, wenn er sich hinter seinem Rücken um König macht?
Pilatus: Ich frage dich nochmals: Bist du ein König?
Jesus: Ich bin ein König. Mein Reich ist aber nicht von dieser Welt; denn, wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener für mich gekämpft. Ich bin geboren und in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe!
Pilatus: Was ist die Wahrheit? Ich finde keine Schuld an ihm!
1. Hohepriester: Was sagst du? Keine Schuld? Hört! Der Statthalter höhnt uns. Ich fordere im Namen aller: Ans Kreuz mit ihm!
2. Hohepriester: Ich frage euch: Stiftet dieser Jesus nicht Streit? Hetzt er nicht die Söhne gegen die Väter, die Töchter gegen die Mütter? Streit überall, wo er auftritt! Und ist Streit nicht der erste Schritt zum Mord?
Volk: Kreuzige ihn!
Pilatus: Hörst du, was sie gegen dich vorbringen? - Antwortest du nicht? Warum redest du nicht mit mir? Weißt du denn nicht, dass ich die Macht habe dich zu kreuzigen und die Macht habe, dich freizulassen?
Jesus: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.
Pilatus: Er ist unschuldig!
1. Hohepriester: Wir haben aber ein Gesetz, nach dem er sterben muss: Wer sich zum Sohne Gottes macht, der ...
Pilatus: So kreuzigt ihr ihn! Ich finde keine Schuld an ihm.
Volk: Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!
2. Hohepriester: Das Volk begehrt die Strafe für den falschen Propheten.
Jesus: Wehe euch, ihr Schriftgelehrten! ich Heuchler! Ihr erscheinet den Menschen von außen zwar gerecht, im Inneren seid ihr aber voll Heuchelei und Ungerechtigkeit. Alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wird, wird über euch und eure Kinder kommen.
1. Hohepriester: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! Er muss sterben! Er ist verurteilt, vom Volk, von uns!
Pilatus: Ihr Wahnsinnigen! - Haltet. Noch ein Wort! - Es ist Gewohnheit, daß ich euch am Osterfeste einen Gefangenen losgebe. Wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden oder den Mörder Barabbas freigebe?
Hohepriester und Volk: Barabbas frei!
Pilatus: Und Jesus?
Volk: Kreuzige ihn!
Pilatus: So führt ihn zu den Schindknechten. Das Volk, das ihr verhetzt habt, hat ihn verurteilt.
Jesus: Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche.
Junger Mann: Seht doch seine Herrlichkeit!
Volk: Herrlichkeit? Er wird gegeißelt! (Jesus wird abgeführt)
Judas: Platz! Macht Platz! Laßt mich durch! Das Blutgeld brennt in den Händen! Blutiges Silber, Blutsilber! Die Seele verkauft! Den Herrn und Meister für 30 schmutzige Silberlinge verraten! Da - (schmeißt das Geld vor die Hohepriester hin) - nehmt das Blutgeld zurück! Wehe! Ich ersticke! Da nehmt das zurück! Rettet mich! Helft ... (stürzt davon)
1. Hohepriester: Was wollte der? Wer war das? Ein Irrer?
Junger Mann: Einer, den du gekauft hast.
1. Hohepriester: Ich kenne ihn nicht!
Junger Mann: Er hat dir doch sein Geld zurückgegeben!
Einer: Seht, da kommen sie! Unser König! Hoch! Hoch!
Einige: Seht, der König!
Einer: Sei mir gegrüßt, König der Juden! (wirft ihm einen Mantel um)
Pilatus: Seht, welch ein Mensch! Könnt ihr ihn denn töten?
Volk: Ans Kreuz mit ihm!
2. Hohepriester: Das Volk will es.
Pilatus: Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten!
Einer: Nun bringt das Kreuz!
3. Szene: Golgotha
Die Hohepriester verlassen die Bühne, ebenso Pilatus.
Ein Soldat: An die Kreuze mit ihnen! (vorne erscheinen die Hohepriester)
1. Hohepriester: Wir müssen uns zeigen, sonst meinen sie wir hätten Angst.
2. Hohepriester: Und wir haben ganz nach dem Gesetze gehandelt.
Stimme Jesu: Herr, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun... (ein Soldat malt ein großes, schwarzes Kreuz an die weiße Wand. Dann zwei kleinere rechts und links davon)
Weib: Schau, jetzt kreuzigen sie ihn und die zwei anderen.
1. Bürger: Ei, der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen wieder aufbaust! Hilf dir doch ...
2. Bürger: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen!
1. Hohepriester: Er hat gesagt, er sei der Sohn Gottes. Nun könnt ihr selbst sehen, ob er der Sohn Gottes ist.
2. Hohepriester: Wenn er der Sohn Gottes wäre, so könnte er vom Kreuze herabsteigen.(Johannes, Maria und Magdalena erscheinen vorne und gehen langsam zum Kreuz)
Johannes: Mörder!
1. Hohepriester: Da habt ihr euren Messias!
Johannes: Mörder!
Mutter: Mein Sohn - mein Kind.
Stimme Jesu: Mutter, sieh hier deinen Sohn - Sohn, sieh hier deine Mutter ... (Johannes stützt die Mutter)
Magdalena: Oh seht! - Seht.
1. Bürger: Wir sehen ja! Er hat auf Gott vertraut..., der soll ihn nun erlösen!
Stimme des rechten Schächers: Hab ich denn böseres getan als ihr? Auch ihr seid Mörder!
2. Bürger: Wer hat gemordet? Du hast gemordet! Wen sollten wir gemordet haben?
Stimme des rechten Schächers: Ich hab gemordet, ja. Dafür bin ich bestraft! Wer aber wird euch strafen? Ihr mordet euren Gott!
2. Bürger: Wenn er Gott ist, so soll er sich und dir helfen!
Stimme des rechten Schächers: Herr, ein Mörder bin ich - ich habe übles getan. Gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst.
Stimme Jesu: Wahrlich, ich sage dir; noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein.
Volk: (murmelt, lacht)
Stimme Jesu: Mich dürstet.
Soldat: Mischt Essig und Galle. Gebt ihm zu trinken
Johannes: Mein Jesus - Barmherzigkeit.
Stimme Jesu: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! (es wird dunkler, Blitz und Donner, Schreie - ... - alle fliehen, nur Johannes, die Mutter und Magdalena stehen regungslos da)
Volk: Rennt! Was geschieht?! Die Erde bebt! Was haben wir bloß getan?! Rennt! Flüchtet! ...
Stimme Jesu: Es ist vollbracht. (Musik wird rasch lauter, starker Scheinwerfer auf das Kreuz, bereits vor dem letzten Satz)