Die Straße nach Bethlehem

Ein Spiel im Advent unserer Zeit

Spieler:
(14 +Chor)
Ein Singschar-Chor
die Sprecherin
die Leserin
das heilige Paar, Maria und Josef oder Maria allein
zwei Kinder
die alte Frau
die Flüchtlingsfrau
das einsame Mädchen
die Hirtin
die erste Wirtin
die zweite Wirtin
die dritte Wirtin
die vierte Wirtin
Spieldauer: ca. 13 Minuten
Der Chor singt: ([Gotteslob 839] komm, o komm Immanuel)
Sprecherin: (ist während des Singens einen Schritt vorgetreten. Sie spricht:)
Wir harren dein, Herr Jesu Christ,
der du schon einmal kommen bist
uns deinen Weg zu zeigen.
Wir harren dein und rufen dich,
wolltst uns erlösen gnädiglich,
wolltst kommen auf Erden,
daß wir gerettet werden.
Herr, komm, wir haben den Weg verloren,
als wärst du nie geboren.
Komm, wieder Herr, wie du gesagt!
Doch eh das Weltenende tagt,
vor dem die Herzen beben,
wolltst uns in diesem Leben
noch einmal zeigen, Herr, deine Gnad
noch einmal leuchten auf dem Pfad!
Bist selber, Herr, ja Weg und Licht,
drum hör uns, komm, vergiß uns nicht!
Chor: ([singt 2. Strophe GL 839] O komm, du wahres Licht der Welt)
Leserin: (tritt einen Schritt vor und liest in das leiser werdende Lied hinein.) Wenn aber der Menschensohn wieder kommen wird....(Mr. 25, 31-35, 40-45)
Sprecherin: Halt ein, Herr, komm nicht zum Gericht! Noch kennen wir die Liebe nicht! Zeig uns den Weg, den du gemeint, damit wir dann in Lieb vereint, an deiner Liebe gläubig stehn und deiner Liebe Straßen gehn. Damit wir beim Posaunenschall so froh wie dort im Krippenstall deine Wiederkunft erflehn, voll Hoffnung vor dir stehn.
Leserin liest: Da öffnete sich der Tempel im Himmel, und in seinem Tempel wurde die Lade sichtbar, die Lade seines Bundes. Blitze, Stimmen und Donner entstanden, Beben und gewaltiger Hagel. Da erschien ein großes Zeichen am Himmel, eine Frau, umgeben von der Sonne, den Mond unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war gesegnet, sie war schwanger.
Chor: (singt 3. Strophe [GL 839] O komm)
Leserin: St. Josef geht von Tür zu Tür, bringt überall sein Bitten für. Maria ist so müd und bang, gebt Herberg uns, der Weg war lang. O Bethlehem, erhör das Flehen, laß deinen Herrn nicht draußen stehen. Doch überall das harte Wort: Hier ist kein Platz, drum geht nur fort. Maria sinnet kummervoll, wohin das Kind sie betten soll. O Bethlehem, wie hart bist du, du schlägst dem Christkind die Türe zu. Das Vieh im Stall kennt seinen Herrn, macht Platz der Gottesmutter gern. Doch Bethlehem hat nicht erkannt, daß Gott den Heiland hat gesandt. O Bethlehem, wie bist du blind, daß du nicht siehst das Gotteskind.
  (die Sänger ziehen während dem zweiten Teil der 3. Strophe zur Seite und bleiben links und rechts stehen. Zuletzt wandert das heilige Paar ganz langsam über die Bühne oder durch den Spielkreis, wortlos) (Nun kommen die zwei Kinder)
Erstes Kind: Glaubst du, wir kommen heut noch an? Weil ich schon fast nicht mehr weiter kann, und weil ich schon so hungrig bin. Am liebsten lagert ich mich hin, und ruhet mich ein bißchen aus. Mein Gott, ach wär'n wir nur zu Haus!
Zweites Kind: Denk nicht daran und bleib nicht stehn, wir müssen einfach weitergehn, sonst kommt die Nacht, sie kommt jetzt bald, und wir sind mitten in dem Wald. Denk nicht zurück, denk nicht ans Brot, wir müssen weiter, liebe Not.
Erstes Kind: Ich kann nicht weiter, ich bin so müd!
Zweites Kind: Komm, Schwester, singen wir ein Lied.
Erstes Kind: Kann nimmer singen, kann nimmer gehn, schon fängt sich alles an zu drehn.
Zweites Kind: Du lieber Gott, was fang ich an, dort ist ein Haus, da klopf ich an. (Geht auf eine Tür zu und klopft) Sie hörens nicht, sind nicht zu Haus. Kommt niemand uns zur Hilf heraus??? (klopft stärker)
Erste Wirtin: Wer klopft da noch zur halben Nacht? Heut wird hier nimmer aufgemacht.
Zweites Kind: Ich bitt dich herzlich, liebe Frau, meine Schwester ist müd, kann nimmer, schau! Uns hungert, bitte schenk uns Speis und Trank, die Schwester wird mir wirklich krank. Kann ohne Brot kein Schritt mehr tun, laß uns an deiner Schwelle ruhn.
Erste Wirtin: Zwei Kinder, seh ich wirklich recht, die Zeiten sind heut wirklich schlecht. Daß schon die Kinder betteln gehn, statt sich nach Arbeit umzusehn. Glaubt ihr, ich krieg mein Brot geschenkt? So einfach wie ihr euch das denkt. So einfach kommt man nicht durchs Leben. Geht Heim, ich kann euch hier nichts geben.
Zweites Kind: Du sagst, geht heim, ach, war das schön. Wir haben kein Heim, dorthin zu gehn. Nicht Eltern, nicht Brüder, nicht Haus noch Brot, drum bitt ich dich, wir sind in Not.
Erste Wirtin: Was heut jeder an Märchen erzählt! Die Geschieht ist schon schlecht gewählt. Wollten wir jedem Bettler vertraun, müßten wir bald eine Herberg erbaun. Grad vor euch erzählte ein seltsames Paar, ein anderes Märchen, das auch nicht wahr. Ich will euch nicht glauben, sonst werd ich noch weich. Jetzt aber geht, sonst jag ich euch. (Bei den letzten harten Worten kommen Josefund Maria langsam und müde vorbei. Die Wirtin schlägt die Tür zu. Chor singt nach der Melodie: o komm)
Chor: O, Bethlehem, wie hart bist du, du schlägst dem Christkind die Türe zu!
Maria: Kommt, ihr seid müd, ihr seid in Not. kommt her, noch haben wirein Brot. Kommt, geht mit uns. Sie hat auch uns nicht eingelassen. Sie wird einmal am Wegrand stehn, mein Sohn wird dort vorübergehn. Zerschlagen und zerschunden, den Kreuzweg voller Wunden. Gebt mir die Hand, bleibt nicht allein, sollt meinem Kind Geschwister sein.
  (Maria und Josef mit den Kindern ab von der anderen Seite kommt die alte Frau)
Die alte Frau: Der Winter ist eine harte Zeit, für uns verlassene, alte Leut. Der Sohn ist gefallen, er gab mir Brot, nun bin ich alt, allein in Not. Zum Arbeiten reichen die Kräfte nicht mehr. Wenn wenigstens immer Sommer war- da komm ich grad mühsam und sparsam daraus. Doch, jetzt ist's kalt, hab kein warmes Haus, hab zerissene Schuh und ein dünnes Gewand, wer schenkt mir ein Kleid mit guter Hand? -- Da ist ein Haus, den Leuten geht's gut. Heut bitt ich sie, ich nehm mir den Mut. (klopft an die 2 Tür) Sie hören mich nicht, sind nicht zu Haus. Kommt niemand zu meiner Hilfe heraus??? (klopft wieder)
Zweite Wirtin: Wer klopft hier noch zur halben Nacht, heut wird hier nimmer aufgemacht!
Alte Frau: Ich bitte dich herzlich, liebe Frau, mich friert, bin schon alt und grau, hab keine Schuh, kern warmes Gewand. Ich bitte dich, öffne mir deine Hand!!!! Und gib mir was Altes von deinen Dingen, es wird dir Gottes Segen bringen.
2. Wirtin: Wie lästig ist die Bettelei, kein Tag geht ungestört vorbei. Was kommst zu mir? Meinst, ich soll frieren? Muß auch die Hände tüchtig rühren, daß ich uns alles schaffen kann, mir selber, den Kindern und auch dem Mann. Wir haben nichts für fremde Leut. Geh lieber zum Pfarrer, der sammelte heut.
Alte Frau: Hast nicht was Altes, was keinem mehr gefällt?
Zweite Wirtin: Das verkaufen wir alles, wir brauchen Geld! Steh nicht herum, laß mich in Ruh, brauch meine Zeit, ich mach jetzt zu! Bist schon die Zweite, die mich stört. Hab vor dir zwei anderen zugehört, die wollten mich sicherlich betrügen, mit rührenden Geschichten belügen. Ich jagte sie fort — jetzt auch du fort, fort mit dir (Schlägt die Tür zu)
  (bei den letzten Worten kommen Maria und Josef müde vorbei, dahinter die beiden Kinder, ein Stückchen Brot in den Händen...)
Chor singt: O Bethlehem, wie hart bist du...
Maria: (zur alten Frau) Komm her, dich friert, ich seh dir's an! Komm, nimm das Tuch, wärm dich dran. Komm, geh mit uns. Sie hat auch uns nicht eingelassen... komm, wollen wir nimmer klagen! Gib mir die Hand, bleib nicht allein! Du sollst meinem Kind eine Schwester sein. (Die Gruppe ab. Von der anderen Seite kommt die Flüchtlingsfrau)
Flüchtlingsfrau: Aus dem Lager bin ich bei Nacht geflohn, gemordet mein Mann, gemordet mein Sohn. Die Tochter hat man vertrieben. Dies Kind ist mir noch geblieben. Im Lager war Hunger und Kälte und Neid, im Lager war immer Zank und Streit und heimwehkrankes Sehnen in Nächten voller Tränen. Nun irr ich seit Tagen durch dieses Land, das ich noch nie gesehn und gekannt. Ich suche Arbeit, suche eine Tür. Doch keine Seele öffnet mir. Da, da ist ein Haus, da klopf ich an, daß ich mein Kind bergen kann, (klopft an der dritten Tür) Sie hören mich nicht, sind nicht zu Haus? Kommt niemand zu meiner Hilfe heraus? (klopft wieder)
Dritte Wirtin: Wer klopft hier noch zur halben Nacht? Heut wird hier nimmer aufgemacht.
Frau: Ich bitt dich herzlich, liebe Frau, laß uns ins Haus, sind müde, schau!!! Ich hatte ein Haus, ein Heim, einen Herd, hatte Gatte und Kinder und Rind und Pferd war reich und glücklich, geborgen wie ihr, -nun bin ich vertrieben, war weit von hier- nun bin ich fremd und bin allein und ohne Heimat, ach laß uns ein.
Wirtin: Was fällt dir ein, wo denkst du hin? Hier wäre Platz? Was hast im Sinn? Hier ist kein Platz, kein freier Raum, wir reichen mit unserer Stuben kaum. Wir haben uns alles mühsam erspart und selber gebaut, war oftmals hart. Jetzt sperren wir unsere Türen zu und freun uns der verdienten Ruh.
Frau: Brauchst niemand, der dir die Arbeit tät, ich wollte schaffen, früh bis spät. Ich hab noch Kraft, ich tu meine Sach. Nur einen Winkel unterm Dach gönn mir als Heimstatt für mein Kind zum Schutz vor Nebel, Nacht und Wind.
3. Wirtin: Brauch keine Magd, bin lieber für mich, denn keiner Fremden traue ich. Wer weiß, ob du mir die Wahrheit erzählst? Am End hat sichs anders herausgestellt, kommen so viele heute vorbei, was weiß ich, wer da ehrlich sei? Hätte ich allen aufgetan, wo schliefe ich mit Kind und Mann? Erst vorhin standen zwei andere hier und rüttelten grad wie du die Tür. Ich lasse lieber keinen herein, dann braucht ihr einander nicht neidig zu sein. (schlägt zu)
  (Bei den letzten Worten kommen Maria und Josef hinter ihnen her, hinter ihnen die Kinder mit der alten Frau. Wortlos ziehen sie vorüber.)
Chor singt dazu: O Bethlehem...
Maria zur Frau: Komm her, wir haben dasselbe Ziel: ein bergend Dach, es ist nicht viel. Uns beiden hat sie das Dach versagt, hat uns in Nacht und Nebel gejagt. Komm, bleib, und sei bei mir zu Haus, da jagt dich keiner mehr hinaus. Komm, geh mit uns... (Alle gehen müde weiter)
(ab von der anderen Seite kommt das Mädchen, schaut sich um)
Einsames Mädchen: Meiner Mutter bin ich entlaufen, wollt nimmer bei ihr sein! Ach, war ich bei der Mutter—wie bin ich so allein. Wo sind denn die anderen Mädchen, sie waren mir einmal Freund. Die Schönste wollte ich werden, nun sind sie mir alle feind. Der Liebste hat mich verlassen, hab ihm geglaubt, mein Herz hab ich verloren, er hat's geraubt. Nun mag ich nimmer leben, hat keinen Sinn, wer könnte mir noch sagen: Wo führt die Straße hin? Fand ich nur einen Menschen, der gut und ganz gerecht. Dürft dienen wie die anderen, war wieder gut. Dann hätt ich auch zum Wandern noch einmal Mut. Da ist ein Haus, da klopf ich an. Vielleicht, daß mich wer trösten kann. (klopft an die vierte Tür) Sie hören mich nicht, ist niemand zu Haus? Kommt niemand zu meinem Tröste heraus? (klopft nochmals ganz leise)
Vierte Wirtin: Wer klopft heut noch zur halben Nacht? Hier wird heut nimmer aufgemacht.
Mädchen: Ich bitte dich herzlich, liebe Frau, erbarm dich meiner Not! Ich bin verlassen, bin ohne Trost hier auf den Gassen. Ich wäre gerne wieder gut, doch so allein fehlt mir der Mut. Ich weiß ja, ich bin selber schuld, doch bitt ich dich, hab du Geduld! Hilf, daß ich nicht so einsam bin, gib meinem Leben wieder Sinn. Nur eine Stund, nimm mich zu dir; getröstet ging ich dann von hier!!!
Vierte Wirtin: Was willst du da, was fällt dir ein? Du willst von mir getröstet sein!?? Wildfremd kommst du und pochst ans Tor, du kommst mir richtig närrisch vor. Hab selber Sorgen, Müh und Leid, wie hätte ich für dich noch Zeit???
Mädchen: Nur eine Stund, gönn mir dein Licht! Dann geh ich wieder, mehr brauch ich nicht.
Vierte Wirtin: Du bist ein Narr, ich sagt es schon! Geh doch, sonst jag ich dich davon! Wer weiß, ob deine Heulerei nicht Vorwand nur und Heuchelei? Vielleicht laß ich dich erst ins Haus, ich bring dich nimmermehr hinaus. Vielleicht kommst du auch nur zu stehlen. Kurzum, ich will mich gar nicht quälen. Ich kann nicht alle trösten, nein, andere wollten auch schon herein. Ich bleibe fest, ich bleibe hart, weil ich auf bessre Gäste wart.
Mädchen: Willst mich wirklich hier im Dunklen lassen, allein und verzweifelt auf nächtlicher Straßen?
Vierte Wirtin: Du kannst mich nicht rühren, ich glaub dir nicht. Was hättest du schon von dem bißchen Licht? Geh nur, ich mag dich nimmer hören, du würdest den stillen Abend mir stören, (schlägt die Tür zu) (Alle ziehen wieder vorbei und der Chor singt)
Chor: O Bethlehem....
Maria zum Mädchen: Komm her, du suchst ein Licht zur Nacht. Komm, ich hab dir ein Licht gebracht. Komm, geh mit uns, sie hat auch uns nicht...
Chor singt nach Melodie: Wer klopft an. Und Herberg sucht wohl viele, viele Jahr fürs Christuskind, das hochheilige Paar. Schau das Kind so arm und klein, es möcht bei dir geborgen sein. Bedenk, o Mensch, welch göttlich Kind es ist. Dein Gott und Herr, der Heiland Jesu Christ! Nimm es auf und sei bereit, dann hast du Glück für Ewigkeit.
  (die kleine Prozession ist während des Liedes langsam im Kreise gegangen. Zuletzt steht die Gruppe vom in der Mitte. Maria tritt vor...)
Maria zu den Zuhörern: So ziehen wir die Straßen nach Bethlehem in dieser Euren Zeit die Häuser sind zu, die Herzen sind hart, der Weg, der Weg ist weit. Ich klopfe an vielen Türen an, für mich und für mein Kind, nur selten wird mir aufgetan. Die Menschen sind so blind. Nur manchmal kommt einer aus seinem Haus, der selber arm und klein, führt uns zum armen Stall hinaus und läßt uns ein.
Die Hirtin: Bist du die Mutter mit dem Kind, die heut um Herberg fragt? Komm, geh mit mir in unseren Stall, bevor der Morgen tagt. Ich bin nur arm, ich hab kein Haus, doch was ich hab sei dein ~ und die mit dir verstoßen sind, solln all willkommen sein!
Maria: Wir gehn mit dir in deinen Stall, dein Stall wird herrlich sein. Voll Engelsang und voller Licht, umglänzt vom Sternenschein! Geht alle mit, wir sind am Ziel und keiner ist verlassen. Die Liebe selber wart' auf uns, wir haben Straßen. Geh du voran, wir gehn mit dir. Ich trag das Licht der Welt. Geh du voran, geht alle mit, die sich dem Licht gesellt! Du wirst einmal am Wegrand stehn, mein Sohn wird dort vorübergehn zerschlagen und zerschunden, den Kreuzweg voller Wunden... Du trocknest ihm das Blut, den Schweiß. Du trägst sein Bild in deinem Linnen, sein Bild im Herzen drinnen. Gehalte es gut und trag es in die Welt, daß sich an diesem Bild erhellt, die Liebe in den Herzen, wie tausend Weihnachtskerzen.
  (Die Hirtin mit der Laterne geht voran. Ihr folgen Maria und Josef, die beiden Kinder, die alte Frau, die Flüchtlingsfrau und das einsame Mädchen. Langsam gehen sie durch den Kreis der Zuschauer fort)
Chor und alle Zuhörer singen: Kündet allen in der Not, Gotteslob Nr. 106.
  Ende