Die Kinder von Myra

Personen: (17) Lehrer/in/Nikolaus
Knecht des Nikolaus
Mutter
Kapitän
3 Matrosen
10 Kinder
Spieldauer: ca. 20 Minuten
Szenenfolge:
  1. Vorspiel: Gespräch über den Nikolaus
  2. Das Große Unwetter
  3. Hungersnot in Myra
  4. Zuflucht bei Bischof Nikolaus
  5. Rettung aus der Hungersnot
  6. Nachspiel: Gespräch und Bescherung
1. Szene Vorspiel
Gespräch über den Nikolaus. An einem Garderobenständer hängt ein rotes Nikolauskostüm mit Kapuze, Bart, Rute und Sack. Die Kinder und der Lehrer kommen fröhlich plaudernd herein, bemerken das Nikolauskostüm und beginnen, sich über den Nikolaus zu unterhalten.
1. Kind: (bleibt stehen, deutet auf den Garderobenständer) Uh, schau mal was da hängt!
2. Kind: Ein roter Mantel mit weißem Kragen ...
3. Kind: ... und einer Kapuze ...
4. Kind: ... und ein langer weißer Bart ...
5. Kind: ... und eine Rute ...
Alle: Oh weh! Eine Rute! Durcheinander: Aber ich war immer lieb. Ich war nicht böse ...
6. Kind Und ein ganz dicker Sack!
7. Kind: (schnuppert daran) Hmm, der duftet nach Äpfeln und Marzipan.
Alle: (durcheinander) Hmmm, gut! Fein!
8. Kind: Der Fall ist ganz klar: Morgen ist doch Nikolaustag.
Alle: Stimmt. Morgen ist Nikolaus. (Sie stimmen das Nikolauslied an)

Laßt uns froh und munter sein
und uns recht von Herzen freun,
lustig, lustig, trallalalalah,
bald ist Nikolausabend da,
bald ist Nikolausabend da.

(Während sie singen, setzen sich alle in den zu den Zuschauern hin offenen Halbkreis)
9. Kind: Ich weiß, wer der Nikolaus ist.
10. Kind: Ich auch: Mein Vater natürlich.
1. Kind: Bei mir ist es mein Onkel.
2. Kind: Bei mir mein großer Bruder.
3. Kind: In der Schule ist es vielleicht unser Lehrer.
4. Kind: Auf dem Weihnachtsmarkt ist es der Bürgermeister.
5. Kind: Immer ein anderer. Das ist aber dumm.
6. Kind: Dann gibt es ja gar keinenrichtigen Nikolaus.
7. Kind: Gibt es schon.
8. Kind: Woher willst du das wissen?
7. Kind: Meine Mutter hat es gesagt.
9. Kind: Unsere Religionslehrerin auch.
10. Kind: Ich habe ein Buch mit einem Bild von ihm. (Es öffnet ein Buch mit einer Nikolaus-Ikone oder einem alten Heiligenbild des Bischof Nikolaus)
Alle: (durcheinander) Komisch. So sieht doch keiner aus. Kleider mit Edelsteinen, und sein komischer Hut ...
Lehrer: Freilich, Kinder, so habt ihr noch kaum einen gesehen. Aber der Maler des Bildes hat ihn sich so vorgestellt.
1. Kind: Warum hat er den Nikolaus gemalt und nicht fotografiert?
2. Kind: Das ist doch schon sooo lange her. Da gab es noch gar keinen Fotoapparat.
3. Kind: ... und kein Flugzeug ...
4. Kind: ... und kein Auto ...
5. Kind: Da war bestimmt mein Papa noch nicht auf der Welt ...
6. Kind: ... und meine Oma auch nicht ...
7. Kind: Was gab es denn da?
8. Kind: Schiffe, die fuhren über das Meer.
9. Kind: Aber ohne Motor.
10. Kind: Und eine Stadt, die hieß ... (besinnt sich) - Myra
Alle: Myra?
Lehrer: Ja, Myra. Und in Myra wohnten viele fröhliche Kinder. Und dann gab es in Myra einen Bischof. Der hatte einen ganz besonders schönen Mantel und einen Hut mit einem goldenen Kreuz, denn er war ein Diener Gottes; und einen Ring mit Edelsteinen trug er am Finger, und er hatte einen kostbaren Stab.
Alle: Erzähl doch weiter, bitte!
Lehrer: Gerne. Dabei müsst ihr mir aber helfen. Wisst ihr was, wir spielen die Geschichte.
Alle: Oh ja, wir spielen die Geschichte "Nikolaus und die Kinder von Myra".
1. Kind: (zum Lehrer) Du bist am größten. Du spielst den Nikolaus.
Alle: Ja, bitte. (Die Kinder helfen dem Lehrer, die Bischofssachen anzuziehen.)
11. Kind: Ich habe keine Angst vor dem Meer, ich spiele den Kapitän vom Schiff.
12., 13., 14. Kind: Und wir sind die Matrosen. (Kapitän und Matrosen setzen ihre Seemannsmützen auf)
15. Kind: Ich spiele die Mutter.
16. Kind: Ich bin Bäcker.
17. Kind: Ich bin der Knecht des Nikolaus.
1. - 10. Kind: Und wir sind die Kinder von Myra. (Nikolaus geht ins Bischofshaus, die Seeleute verlassen die Spielfläche, die Kinder beginnen Gruppenreise zu spielen: Ballspiel, Gummiwurst, Kreistanz ...)
2. Szene: Das große Unwetter. Die Kinder spielen eine Weile vor den Häusern von Myra. Nach einiger Zeit werden sie müde und hungrig.
2. Kind: Puh, ich kann nicht mehr. (Es setzt sich hin)
3. Kind: Ich auch nicht.
4. Kind: Ich muss eine Pause machen.
Alle: Wir hören auch auf.
5. Kind: Hört ihr, wie mein Magen knurrt?
6. Kind: Jetzt wäre etwas zu essen recht.
7. Kind: Ein Stück Apfelkuchen.
Alle: Hmmm
8. Kind: Oder eine ganze Sahnetorte.
Alle: Fein!
9. Kind: Ehrlich gesagt, mir würde ein Stück Brot genügen.
10. Kind: Ich will meine Mutter rufen, die gibt uns bestimmt einen halben Laib Brot. (er ruft zum Haus hin) Mutti, Mutti!
Mutter: (öffnet das Fenster, schaut heraus)
10. Kind: Meine Freunde und ich haben so Hunger. Gibst du uns einen halben Laib Brot?!
Mutter: Ja, kommt nur herauf.
10. Kind: Bitte, lass uns hier auf dem Spielplatz essen. Es ist so ein schöner Tag.
Mutter: Ist recht. Wartet einen Augenblick. (Eben geht der Bäcker mit einem Korb über den Platz. Die Mutter kommt aus dem Haus und kauft einen halben Laib Brot, gibt ihn den Kindern.) Nun esst euch satt, damit ihr weiterspielen könnt.(Jedes Kind bricht sich ein Stück von dem Brot ab. Dann sitzen alle zusammen und essen zufrieden.)
1. Kind: (mit vollem Mund) Wenn da jetzt ein Stück Schinken drauf läge, würde es noch besser schmecken.
2. Kind: Ich mag Honigbrot lieber.
3. Kind: Und ich esse am liebsten Salamibrot.
4. Kind: Also mir schmeckt ein trockenes Brot besser als gar kein Brot.
5. Kind: Ja, stellt euch vor, wir hätten überhaupt nichts zu essen.
6. Kind: (deutet auf die Felder von der Stadt) Schaut mal, dort draußen vor der Stadt wird der Himmel auf einmal ganz grau. (Die Kinder schauen in die angegebene Richtung)
7. Kind: Nein, schwarz. Das sind Regenwolken.
8. Kind: Regenwolken? Das sind richtige Gewitterwolken.
9. Kind: Wie schnell die daherfliegen! Ein toller Sturm! (Es blitzt. Die Kinder zucken zusammen)
10. Kind: Oh je, es blitzt schon.
1. Kind: Schnell, schnell unters Dach! (Die Kinder suchen Zuflucht unter einem Dachvorsprung. Blitze und Donner häufen sich. Man hört das Prasseln des Regens, der sich mehr und mehr steigert. Es wird immer dunkler.)
2. Kind: Es regnet nicht, es gießt ...
3. Kind: ... und schüttet ...
4. Kind: ... und platscht ...
5. Kind: Da fallen ja richtige Eiskörner herunter.
6. Kind: So groß wie Vogeleier.
7. Kind: Wie meine Faust.
8. Kind: Schaut, die ganzen Blumen dort werden kaputtgeschlagen.
9. Kind: Au, jetzt fällt der Hagel auf meine Füße.
10. Kind: Kommt schnell mit ins Haus! (alle Kinder eilen verängstigt ins Haus. Das Unwetter tobt noch eine Weile, verebbt dann; schließlich ist es ganz still, der Himmel klart auf.)
3. Szene: Hungersnot in Myra. Die Mutter und Michael gehen über den leeren Platz, beide recht niedergedrückt.
10. Kind: Gleich sind wir zu Hause, dann kann ich endlich etwas essen.
Mutter: (Bleibt stehen) Armer Michael!
10. Kind: Warum sagst du "Armer Michael"?
Mutter: Kind, ich kann dir - leider ... (sie weint)
10. Kind: Mutter, Mutter, was ist dir? Sag schon!
Mutter: (schüttelt weinend den Kopf)
10. Kind: Ach, Mutter, ich weiß schon. Du hast kein Brot mehr im Haus. Und Geld hast du auch nicht mehr. Aber schau, dort kommt der Bäcker. Ich habe noch Taschengeld dabei. (Er zieht das Geld aus seiner Tasche, spricht den Bäcker an, der eben den Platz betritt) Herr Bäcker, bitte einen Laib Brot für meine Mutter und mich.
Bäcker: (zeigt seinen leeren Korb her) Tut mir leid mein Junge, ich habe eben den letzten Laib Brot verkauft.
10. Kind: Macht nichts, ich gehe mit dir in den Laden und hole ihn dort.
Bäcker: Mein Laden ist ausverkauft
10. Kind: Dann back doch neues Brot.
Bäcker: Kannst du mir sagen wie?
10. Kind: Ganz einfach: Zuerst nimmst du Mehl und dann ...
Bäcker: Bist du denn der einzige in Myra, der nicht weiß, dass es kein Mehl mehr gibt? Erinnerst du dich nicht mehr an das Schlimme Unwetter, als das ganze Korn auf den Feldern vom Hagel zerschlagen wurde? Hast du noch nicht gehört, dass die Bauern deswegen kein Getreide ernten konnten, der Müller keine Körner zum Mahlen bekam, und daß in ganz Myra kein Pfund Mehl mehr aufzutreiben ist? Wie gerne würde ich Brot backen wie früher, aber ...(traurig, still und hungrig kommen die Kinder auf den Platz, der Bäcker geht ab.)
10. Kind: (versucht die anderen aufzuheitern) Hallo, Freunde, lasst uns wieder miteinander spielen. (die Kinder schütteln ihre Köpfe)
1. Kind: Wir können nicht mehr spielen.
2. Kind: Wir haben solchen Hunger.
3. Kind: Wenn ich nur ein kleines Stück trockenes Brot hätte. (Alle stehen teilnahmslos herum).
4. Szene: Zuflucht bei Bischof Nikolaus
10. Kind Ich hab eine Idee (deutet auf das Haus des Bischof Nikolaus) Kennt ihr dieses Haus? (Die Kinder nicken) Und wisst ihr, wer darin wohnt?
4. Kind: Der Bischof Nikolaus.
5. Kind: Der ist bestimmt reich; denn er trägt kostbare Kleider.
6. Kind: Ja, der hat keinen Hunger.
10. Kind: Vielleicht kann er uns helfen? Wir wollen ihn rufen. Bischof Nikolaus! Bischof Nikolaus! (Die Kinder stimmen in den Ruf ein)
Nikolaus: (schaut aus dem Fenster) Ihr ruft mich, Kinder? Was gibt's?
10. Kind: Wir haben alle so großen Hunger. Gib uns bitte einen Laib Brot.
Alle: Gib uns zu essen, wir haben Hunger.
Nikolaus: Ach Kinder, wie gerne täte ich das, aber ich habe selbst kein Stückchen Brot mehr im Hause. (Die Kinder senken wieder betrübt ihre Köpfe - Nikolaus späht in die Ferne, zum Hafen hinüber)
Nikolaus: Was sehe ich dort... Vom Meer her läuft ein großes Schiff in den Hafen ein. Ein Frachtschiff. Was das wohl geladen hat? Jetzt erkenne ich es genau: Da sind Säcke an Deck, viele Säcke ... Eben macht das Schiff an der Kaimauer fest. Ich will meinen Knecht zum Hafen schicken und den Kapitän holen lassen. Knecht!
Knecht: (tritt vor das Haus) Ja, hier bin ich
Nikolaus: Geh hinaus zum Hafen. Dort ist eben ein Frachtschiff vor Anker gegangen. Sag dem Kapitän, er soll gleich zum Bischof von Myra kommen. Beeile dich! Es ist sehr wichtig.
Knecht: (weglaufend) Ich lauf ja schon
Nikolaus: (tritt selbst vor das Haus zu den Kindern, die traurig herumsitzen, streichelt zärtlich über ihr Köpfchen) habt Mut, ihr guten Kinder! Habt Vertrauen! Kein Kind in Myra soll länger Hunger leiden. Mit Gottes Hilfe wird alles gut.
5. Szene: Rettung aus der Hungersnot
Polternd und lärmend kommt der Knecht mit dem Kapitän und den Matrosen auf den Platz.
Knecht: So macht schon! Los!
Matrosen: Immer mit der Ruhe!
Kapitän: Du tust ja so, als ob die Welt unterginge.
Knecht: Tut sie auch. Schaut euch bloß diese armen Geschöpfe da an! (Er zeigt auf die hungernden Kinder)
Kapitän: Was hab ich mit denen zu schaffen?
Matrosen: Die gehen doch uns nichts an!
Nikolaus: Tritt auf sie zu Ich denke schon. Sag mir, Kapitän, was hast du auf deinem Schiff geladen?
Kapitän: Geht dich das etwas an?
Matrosen: Verflucht nochmal!
Nikolaus: Flucht nicht! Sagt mir in Gottes Namen, welche Fracht ihr an Bord habt.
Kapitän: Gut, wenns denn sein muss. Gold jedenfalls nicht, wie du denkst. Bloß Korn, ganz gewöhnliches Korn.
Nikolaus: Wohin bringst du das Korn?
Kapitän: Zum Kaiser von Konstantinopel.
Nikolaus: Braucht der Kaiser das Korn dringend?
Kapitän: Eigentlich nicht. Der kriegt noch genügend Schiffsladungen. Das ist kein Hungerleider.
Matrosen: Nein, der nicht; verflucht!
Nikolaus: Gut, dann gebt mir das Korn für diese armen Kinder.
Kapitän: Wenn ich das mache, lässt mich der Kaiser köpfen.
Matrosen: (Machen die Geste des Köpfens)
Nikolaus: Sag dem Kaiser, Bischof Nikolaus braucht das Korn.
Kapitän: (überlegt kurz, kratzt sich hinterm Kopf) Nichts ist umsonst. Wie wärs mit deinem tollen Ring am Finger?
Nikolaus: Du sollst ihn haben.
Kapitän: Für drei Sack Korn. (Er schnalzt mit den Fingern. Die Matrosen schleppen drei Säcke herbei)
Nikolaus: Das reicht nicht. Ich geb dir meinen Bischofshut.
Kapitän: Noch drei Sack! (Er schnalzt wieder. Drei Matrosen holen weitere Säcke)
Nikolaus: Wieviele Säcke gibst du mir für meinen Mantel?
Kapitän: Fünf Sack. (Er schnalzt, die Matrosen laufen)
Nikolaus: Und - für meinen Bischofsstab?
Kapitän: (betrachtet den Stab genau, untersucht die Edelsteine) Wenn du das ernst meintest, bekämst du die ganze Ladung. (Jedesmal gibt Nikolaus das genannte Stück weg. Am Ende besiegeln sie das Geschäft durch Handschlag).
Nikolaus: Also, die ganze Ladung!
Kapitän: Und jetzt auf nach Konstantinopel! Was wird bloß der Kaiser sagen?
Nikolaus: Zieh hin in Gottes Namen und fürchte dich nicht. Dir wird nichts böses geschehen. (Kapitän und Matrosen ziehen ab. Der Bäcker betritt die Spielfläche. Nikolaus zum Bäcker) Nun Bäcker, gib dem Müller Nachricht, dass es Arbeit für ihn gibt. Und dann ans Werk! Du wirst viele Brote backen müssen für die hungrigen Kinder von Myra.
Kinder: Hab Dank, lieber Nikolaus, hab tausend Dank, dass du uns geholfen hast!(Die Kinder umringen den Nikolaus jubelnd; allmählich zieht die ganze Gruppe zum Stuhlhalbkreis zurück)
6. Szene: Nachspiel
Gespräch und Bescherung
1. Kind: Jetzt verstehe ich, warum der Nikolaus immer zu den Kindern kommt.
2. Kind: Klar, weil er ein Kinderfreund ist.
3. Kind: Vor dem braucht man gar keine Angst haben.
4. Kind: Und vor seinem Knecht auch nicht
5. Kind: Die sind ganz lieb.
6. Kind: Jetztwill ich aber etwas wissen: Lebt der Bischof Nikolaus überhaupt noch?
Lehrer: Nein, das ist ja alles schon so lange her.
7. Kind: Und der Knecht?
Lehrer: Der natürlich auch nicht.
8. Kind: Und der Kapitän?
Lehrer: Die Leute von Myra sind alle schon vor langer, langer Zeit gestorben.
9. Kind: Dann kommt zu uns also nicht der richtige Nikolaus, sondern ein gespielter.
Lehrer: So ist es. Aber mir gefällt das Nikolausspiel jedes Jahr wieder.
10. Kind: Eigentlich müsste er zu den Kindern in den armen Ländern kommen, die auch heute noch sehr hungern (Er zeigt einige Bilder von Kindern aus der dritten Welt) Weil aber der richtige Nikolaus schon lange nicht mehr lebt, sollen wir diesen Kindern helfen. Überlegt einmal, was wir für sie tun können ...
Nun bekommt ihr, liebe Kinder ein kleines Nikolausgeschenk. Vielleicht fällt euch dabei ein, wie ihr selbst armen Kindern eine Freude bereiten könnt.(Während jedes Kind eine Kleinigkeit aus dem Sack holen darf, singen alle gemeinsam das Nikolauslied)