Eine Musikstunde mit unmusikalischen Kindern

Frau Jung hat einen schweren Stand

Personen: (13) Lehrerin Frau Jung
Schüler:
Torben
Ulf
Karl
Jens
Max
Jan
Schülerinnen:
Diana
Elfie
Karin
Maria
Gisela
Evelyn
Spieldauer: ca. 10 Minuten
Frau Jung: (betritt das Klassenzimmer, in dem zwölf Kinder sitzen) Wir beginnen unsere Musikstunde mit einem fröhlichen Lied! (Die Klasse singt ein Lied ihrer Wahl). In der letzten Stunde haben wir über Musikinstrumente gesprochen. Nun eine kurze Wiederholung. Nennt bitte Streichinstrumente!
Torben: Die Geige ist ein Streichinstrument.
Diana: Die Bratsche ist ein Streichinstrument.
Ulf: Das Cello ist ein Streichinstrument.
Frau Jung: (erfreut) Alles richtig! Weiter so! Noch ein Streichinstrument! Elfie!
Elfie: Ein Pinsel
Frau Jung: (enttäuscht) Ein Pinsel? - Welches ist das älteste Musikinstrument?
Karl: Das Akkordeon.
Frau Jung: (wundert sich) Wiso das Akkordeon?
Karl: Weil es die meisten Falten hat.
Frau Jung: (seufzt) - Karl, nenn mir dein Lieblingsinstrument!
Karl: Wenn ich ehrlich sein soll - der Essensgong.
Frau Jung: Du bleibst ein Banause! - Wer kann mir etwas über das Klavier erzählen?
Karin: Das Klavier hat weiße und schwarze Tasten. Die schwarzen Tasten sind sicher für die traurigen Lieder.
Jan: Ich weiß es besser. Die weißen Tasten sind für Hocheziten und die schwarzen für die Beerdigungen.
Frau Jung: (nach einer Atempause) So kann nur jemand sprechen, der noch nie Klavier gespielt hat!
Torben, spielst du eigentlich Klavier?
Torben: Nein, ich pfeife.
Frau Jung: Ach! Worauf denn?
Torben: Auf's Klavierspielen.
Diana: Meine Schwester Elvira spielt Klavier. Einmal hat sie sich geärgert. Da hat nämlich ein Mann bei uns angerufen und behauptet, bei uns würde ein gewisser Brahms ermordet.
Frau Jung: Ja, manche Nachbarn habens schwer! Ulf, kannst du mir sagen, was der Unterschied zwischen einem Klavier und einer Geige ist?
Ulf: Das ist so: Das Klavier brennt länger.
Frau Jung: (stöhnt) -
Karl: Mein Vater ist Pianist in einer Bar. Neulich hat ihn jemand gefragt, warum er Klavier spielt.
Frau Jung: Und was hat er gesagt?
Karl: Weil das Bierglas auf einer Geige keinen Platz hat.
Frau Jung: Du meinst, nun sei der Unterschied zwischen einem Klavier und einer Geige geklärt.
Karl: (nickt schelmisch) -
Diana: Frau Jung, wissen sie, wie man ein Klavier von einem Eichhörnchen unterscheiden kann?
Frau Jung: (überrascht) Klavier und Eichhörnchen? Nein.
Diana: Man stellt beides an einen Baum. Was hinaufläuft, ist das Eichhörnchen.
Kinder: (lachen und klatschen in die Hände)
Frau Jung: Jens, wo arbeitet dein Vater zur Zeit?
Jens: Er ist arbeitslos.
Frau Jung: Ist er nicht Musiker?
Jens: Ja, er hat im Posaunenchor Klarinette gespielt
Frau Jung: (staunt) Aber beim Posaunenchor braucht man doch keine Klarinette!
Jens: Deshalb ist er ja auch arbeitslos.
Frau Jung: (schüttelt den Kopf) - Wenn man ein Instrument alleine spielt, ist das ein Solo. Wenn man zu zweit spielt, ist das ein Duo. Wie nennt man es, wenn man zu dritt spielt?
Max: Das nennt man Skat.
Frau Jung: Ich möchte wissen, weshalb ihr heute so viel Quatsch redet.
Max: Das kommt davon, weil sie uns soviel fragen.
Kinder: (nicken bestätigend)
Frau Jung: Maria, ich habe von deinen Eltern gehört, daß du Sängerin werden möchtest. Stimmt das?
Maria: (geziert) Ja, das stimmt. Ich singe gerne. Außerdem sagen die Politiker, es käme auf jede Stime an.
Frau Jung: (schmunzelt) Mit deiner Stimme kannst du ohne weiteres zur Oper gehen.
Maria: (erfreut) Meinen sie wirklich?
Frau Jung: Klar. Dur mußt dir nur eine Eintrittskarte kaufen.
Maria: (sieht Frau Jung böse an)
Kinder: (lachen)
Gisela: Das war ein Dämpfer für Maria! Ich gönne ihr den!
Maria: (zieht Gisela eine Grimasse)
Ulf: Unsere Nachbarin arbeitet beim Theater.
Frau Jung: Was macht sie da?
Ulf: Sie verteilt Rollen.
Frau Jung: Das muß doch unheimlich schwer sein.
Ulf: Eigentlich nicht. Sie bringt auf jede Toilette eine.
Kinder: (lachen und rufen durcheinander)
Gisela: Meine Tante geht jede Woche ins Konzert.
Frau Jung: So oft? Das wundert mich.
Gisela: Ja. Sie ist Garderobenfrau. - Meine Schwester ist zur Zeit im Stimmbruch.
Frau Jung: Das gibt es doch nicht. Mädchen kommen nicht in den Stimmbruch.
Gisela: (auftrumpfend) Meine Schwester aber doch! Sie hat den Tenor laufen lassen und geht jetzt mit einem Bariton.
Frau Jung: Tja, das ist eine besondere Art von Stimmbruch! - Nun zur modernen Musik! Man kennt sie daran, dass immer Töne kommen, die man nicht erwartet hat. Außerdem ist die laute Musik, die man in der Diskothek hört, schädlich. Man kann davon taub werden.
Max: Frau Jung, es ist uns bekannt, daß sie moderne Musik nicht mögen. Sie wollen uns einreden, daß man davon taub wird. DAs kann nicht stimmen. Dann müßte meine Oma ja oft in der Disco gewesen sein!
Jan: Beethoven war auch taub, obwohl es damals keine Disco gegeben hat. Er starb an seinem Todestag an einem schweren Gewitter.
Frau Jung: Hört auf! Ich sag auch nichts gegen die Disco. Jan, kann man an einem schweren Gewitter sterben? Und das auch noch an seinem Todestag?
Alle: (lachen)
Frau Jung: Jens, hast du eine Lieblingsplatte?
Jens: (strahlt genieserisch) Ja, eine Wurstplatte! (Er streicht sich über den Bauch und leckt die Lippen)
Frau Jung: Typisch! Du denkst immer nur ans Essen. - Jan, sing doch mal das hohe C!
Jan: (singt)
Frau Jung: Sehr gut. Und jetzt bitte F!
Jan: (singt)
Frau Jung: Und jetzt bitte G!
Jan: Wie sie wünschen! (er will gehen)
Frau Jung: Komm, setz dich wieder, du Witzbold.
Evelyn: Frau Jung, wissen Sie, unser neuer Mieter versteht nichts von Musik.
Frau Jung: Wie willst du das wissen?
Evelyn: Er hat gestern meinem Bruder gesagt, er soll seine Trommel aufschneiden und nachsehen, was drin ist.
Frau Jung: (leise für sich) Der Mann ist zu bedauern.
Karl: Bei unserem Arzt war einmal ein Mann, der auf der Mundharmonika gespielt und sie dann verschluckt hat.
Gisela: Da kann er aber froh sein, daß er nicht Klavier gespielt hat.
Evelyn: Mein Opa war schon immer sehr musikalisch. Als er noch ein Kind war, hörte er den Brummbass seiner Mutter und sein Vater verprügelte ihn nach Noten. Als er die Oma kennenlernte, hing für ihn der Himmel voller Geigen, aber seine Schwiegereltern haben ihn ausgepfiffen. Als er dann verheiratet war, ging sein Geld flöten und heute kann er nur noch Trübsal blasen.
Frau Jung: Dein Opa muß ja ein lustiger Mann sein! Und du hast alles so gut behalten, was er dir erzählt hat! In der Schule kannst du nicht so gu aufpassen.
Diana: Was Evelyns Opa erzählt, ist auch viel interessanter!
Frau Jung: (lachend) Danke für die Blumen!
Alle: (lachen)
Elfie: Frau Jung, ich weiß etwas über Wolfgang Amadeus Mozart.
Frau Jung: So? Dann erzähle!
Elfie: Wolfgang Amadeus Mozart ging nach Wien. Dort heiratete er und wurde arm.
Karin: Ja, er war so arm, daß er sich keine neue Hose kaufen konnte. Und in der alten konnte er keine Musik machen.
Jan: Franz Schubert hatte einen Bruder. Das war alles, was er besaß.
Evelyn: Carl Maria von Weber heiratete 1817 die Schauspielerin Caroline Brandt. Jetzt begann eine Periode fruchtbaren Schaffens.
Frau Jung: (ringt die Hände und spricht halblaut) Was habe ich bloß verbrochen, daß ich diese Klasse unterrichten muß!
Torben: Frau Jung, wir haben zu Hause ein Musikzimmer.
Frau Jung: (lächelt mühsam) Wirklich? Das ist aber fein! Welche Instrumente stehen denn in eurem Musikzimmer?
Torben: (fröhlich) Gar keins. Aber dort hört man die Stereoanlage unserer Nachbarn am deutlichsten.
Frau Jung: (gereizt) Ihr seid keine Kinder, sondern richtige Monster! (sie verläßt den Raum)
Kinder: (gehen singend hinterher)