Modenschau zu Haus

Personen: (5) Der Ehemann
seine Frau
und seine drei Töchter:
Rosel, etwa 18 Jahre
Thea, etwa 16 Jahre
Gerda, etwa 12 Jahre
Beschreibung:

Die Szene spielt in einem behaglich ausgestattetem Wohnzimmer. Der Tisch ist ganz an die Wand gedrückt, so daß von der Türe im Hintergrund bis zur Rampe ein freier Raum ist. Der Tisch, etwa in der Mitte zwischen Tür und Rampe, ist mit Blumen, einer Flasche Wein, einer Kiste Zigaretten, Gläsern, Ascher und einem Teller mit belegten Brötchen bedeckt.

Von der Tür bis zur Rampe führt ein roter Läufer.
Der Ehemann kommt aus der Kulisse; er hat noch seine Aktentasche in der Hand und in der anderen eine zeitung. Ohne aufzusehen wirft er die Aktentasche in die Mitte des Raumes, dorthin, wo sonst wohl der Tisch stand. Als die Tasche auf dem Boden aufschlägt, sieht er auf.

Er: Nanu? Wo ist denn der Tisch?
(Sieht sich erstaunt um und geht zu dem Tisch an der Wand. Er betrachtet da, was auf dem Tisch steht und liegt, und kratzt sich den Hinterkopf): Was ist denn jetzt kaputt? Hat denn einer Geburtstag? Was für einen Tag haben wir denn heute? (sieht in der Zeitung nach) Heute ist doch der [Datum der Aufführung einsetzen] nee, heute ist doch nichts besonderes los...?
Thea: (kommt zur Tür herein).
Er: Was ist denn hier los, Thea?
Thea: Ooch, nichts weiter, Vati! Nun iß ert mal, und nachher wirst du schon sehen -
Er: Warum steht denn der Tisch nicht dort, wo er hingehört?
Thea: Weil das nicht geht, Vati! Wir laden dich nämlich auf eine Modenschau ein!
Er: Was? Modenschau? Du lieber Himmel, was soll denn das nun wieder vorstellen? Soll ich vielleicht mit euch Gören auf eine Modenschau gehen?
Thea: (beleidigt) Gören, Vati! Wir sind Teenager!
Er: Na meinetwegen. Die BRötchen sehen ja lecker aus. Kleine Bestechung, was?
Thea: Nimm nur schon Platz! Gleich gehts los!
Er: Was? Hier im Zimmer? Ach so, deswegen ist das hier so... (Er setzt sich kopfschüttelnd an den Tisch und beginnt zu essen und zu trinken, während Thea aus dem Zimmer läuft.
Kurze Zeit darauf ertönt Musik.
Dann taucht im Hintergrunde "Sie" auf und geht in einem uralten Kleid oder einem alten Kostüm hüfteschwingend an "Ihm" vorbei, dreht sich um und verschwindet wieder, während "er" ihr nachstarrt.)
Er: Du lieber Himmel! Bei denen piept's wohl!
(Gerda kommt in einem ganz kurzen, dürftigen Kleidchen. Wenn sie an ihm vorbeikommt, knickst sie und sagt):
Gerda: Modernes Schulkleid
Er: Nun sagt mir doch endlich mal, was dieser Unsinn eigentlich soll!?
(Gerda ab, Rosel kommt vor und führt Mutters altes Abendkleid vor.)
Rosel: Abendkleid! Erinnerung an damals!
(Sie verschwindet. Er steckt sich eine Zigarette an und füllt sein Weinglas.
Seine Frau taucht auf. Sie trägt einen uralten Regenmantel und altmodische Schuhe.)
Sie: (zischend) Modell Flirt im Regen, mein Herr!
(Er zeigt alle Anzeichen von Unsicherheit und Nichtverstehen. Thea kommt in einem alten bunten Sommerkleidchen. Sie wirft ihrem Vater einen richtigen Mannequin-Blick zu.)
Thea: Und hier, mein Herr, der allerletzte Schrei: Modell Vatis Liebling!
Er: Ihr habt wohl die Lumpenkiste ausgekramt, was?
Rosel: Modell: Aus der Jugendzeit!
(Rosel kommt in Rock und Bluse. Alles ist alt und verschlissen.)
Er: Also, mit mir könnt ihr ja anscheinend alles machen! Da soll doch! Weiß der Kuckuck, was das sein soll!
(Im Hintergrund wird ein Plakat mit der Aufchrift "Vier Grazien" aufgehängt
Dann kommen Sie, Thea, Gerda und Rosel in den unmöglichsten Verkleidungen, z.B. einem alten pelzmantel, zerlöchertem Badeanzug usw.
Die Damen bewegen sich ein paarmal vor ihm hin und her, während sie Musik spielt.)
Er: (Gießt sich wieder Wein ein und schaut ihnen verwundert nach)
Wenn ich bloß wüßte...
(Während er sich mit seinem Essen beschäftigt, tauchen die Damen im Alltasgewand auf.)
Gerda: Na, Vati, schmeckt es dir auch?
Er: Klar! Den Appetit jedenfalls habt ihr mir mit eurer komischen Geschichte nicht verderben können. Aber nun sagt mir endlich einmal, was das alles gewesen sein soll...
Thea: ooch, bloß eine Schau hübscher Modelle!
Er: Modelle! Mit dem Zeug könnt ihr euch doch nicht mehr auf der Straße blicken lassen!
Gerda: Gut, daß du's einsiehst, Vati! Wir wollten dir nämlich einmal zeigen, daß wir wirklich nichts mehr anzuziehen haben und daß du endlich mal ein bißchen Geld für neue Kleider locker machen mußt!
-Vorhang-  

 

20 heitere Sketsche
von Ernst Heyda
Bergwald-Verlag Darmstadt

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