Orient oder 1001 Nacht

Der Gruppenleiter erzählt Geschichten aus 1001 Nacht z.B.:

Die Geschichte von Abu Kir, dem Färber und Abu Sir, dem Barbier.

Einst lebten in der Stadt Alexandrien zwei Männer, von denen der eine ein Färber, namens Abu Kir, der andere aber ein Barbier, namens Abu Sir war; und sie waren Nachbarn in der Marktstraße. Der Färber war aber nun ein Gauner und Lügner: wenn man ihm Stoffe zum Färben brachte, verlangte er den Lohn im voraus, weil er vorgab, er müsse die Farben kaufen. Aber dann verkaufte er die Stoffe heimlich, gab alles Geld für Essen und Trinken aus, vertröstete die Kunden von einem Tag auf den anderen und sagte zuletzt, der Stoff sei ihm gestohlen worden. Kam aber jemand, ihn ernsthaft zu mahnen und zu drohen, so schloss er seine Ladentür ab und versteckte sich bei seinem Nachbarn, dem Barbier. So trieb er mehrere Jahre sein schändliches Wesen. Aber endlich verlor ein Kunde die Geduld und brachte die Sache vor den Richter. Dann kam ein Wachtmeister, nagelte den Laden mit Brettern zu, versiegelte ihn und trug den Schlüssel aufs Gericht.

Als der Färber nun zu seinem Nachbarn, dem Barbier kam, fragte ihn dieser nach seinem Tun, weil er manches beobachtet hatte. Der Färber öffnete sein Herz und erzählte alles der Wahrheit gemäß, entschuldigte sich aber mit seiner Armut und seinem geringen Verdienst. Als nun auch der Barbier von dem kärglichen Brot sprach, das sein Handwerk ihm einbrachte, und dass er dieses Gewerbes überdrüssig sei, schlug der Färber ihm vor, sie wollten die Stadt verlassen und an einem anderen Orte ein besseres Leben anfangen. Anfangs wollte der Barbier nicht mitgehen, aber zuletzt ließ er sich doch umstimmen und beide beschlossen den baldigen Aufbruch. Dabei wollten sie aus dem gemeinsamen Beutel leben: Wer einen Verdienst fand, sollte auch für den sorgen, der noch keine Arbeit hatte. Und was sie übrig behielten, wollten sie sparen und nach der Rückkehr getreulich teilen. Zur Bekundung ihres ehrlichen Willens sprachen sie gemeinsam die erste Sure des Korans, wie es im Morgenlande Brauch ist.

Am nächsten Morgen schloß der Barbier seinen Laden ab; beide gingen zum Hafen und schifften sich auf eine Galeone ein, die über das Salzmeer fuhr. Und das Glück war dem Barbier günstig. Obgleich das Schiff außer dem Hauptmann und der Mannschaft noch hundertzwanzig Reisende trug, war kein Barbier darunter. Da beide Gefährten nur wenig Geld und geringe Zehrung hatten mitnehmen können, die Reise aber vielleicht lange währen konnte, ging der Barbier schon am nächsten Morgen mit seinem Handwerkszeug, einer Schale Wasser und einem Lumpen Stoff als Handtuch unter den Fahrgästen herum und rasierte jeden, der ihn darum ansprach. Als Lohn erbat er statt eines Geldstückes jeweils einen Laib Brot, ein Stück Käse oder eine Schale süßen Trinkwassers. Dies alles brachte der Barbier seinem Gefährten, dem Färber, und forderte ihn auf, zu essen und zu trinken. Der lies sich nicht lange nötigen und hieb ein, während der Barbier weiter Kunden bediente. Von jedem nahm er jetzt zwei kleine Brote und eine geringe Silbermünze. Bei Sonnenuntergang hatte er dreißig Brote und fünfzehn Silberlinge beisammen, dazu eine Menge Käse, Oliven und Fischroggen. Als er dem Schiffshauptmann beim Rasieren klagte, daß er zu wenig Zehrung für die Reise habe, lud dieser ihn und seinen Gefährten ein, jeden Abend an des Hauptmannes Tafel mitzuspeisen, solange die Reise währe.

Der faule Färber hatte den ganzen Tag verschlafen und nur dazwischen gut gegessen. Als er abends erwachte und die Fülle der Vorräte sah, die der Gefährte ihm brachte, wollte er sofort wieder zugreifen. Aber der Barbier richtete ihm die Einladung des Schiffshauptmannes aus und bat, die Zehrung einstweilen zu schonen. Davon wollte der Färber aber nichts wissen, sondern begann eilig und gierig hineinzuschlingen, was vor ihm stand. Als ein Matrose die beiden Gefährten zum Mahle holen wollte, mußte der Barbier allein gehen und den Färber mit Seekrankheit entschuldigen. Da lies der mitleidige Schiffshauptmann eine Schüssel mit Speisen füllen, die für zehn Leute gereicht hätten. Diese mußte der Barbier seinem Gefährten bringen, und der schlang alles hinunter, was darin war, legte sich neben die leere Schüssel auf die Seite und schlief wieder ein. Der Barbier jedoch kehrte an die Tafel zurück, speiste mit dem Hauptmann und freute sich der Unterhaltung, während er mit ihm Kaffee trank. Dann ging auch er zur Ruhe.

So ging es Tag für Tag; der Barbier rasierte, der Färber aber blieb sitzen und aß und trank hinein, was jener heranbrachte, und stand nur auf, wenn es mal unbedingt mötig war. Nach zwanzig Tagen warf das Schiff vor einer großen Stadt Anker. Die Gefährten landeten, gingen in die Stadt und mieteten sich eine Kammer in einem Khan, einem Gästehaus. Auch weiterhin ging es wie bisher: der Barbier arbeitete, kaufte von seinem Gelde Kochtopf und Löffel, holte Fleisch, machte Feuer und kochte Essen, aber der Färber verschlief die Tage und erwachte nur, wenn sein Kamerad ihm den Tisch mit den Speisen vorsetzte. Kein einziges mal ging er aus, sich die große und reiche Stadt anzusehen. "Lass mich schlafen, mir ist schwindelig", war stets seine Antwort, wenn der Gefährte ihn einmal aufrütteln wollte. Zwischendurch ging der Barbier in der Stadt umher und arbeitete bei Vornehm, Gering, aber was er an Zehrung erlangte, schlang der Färber alles gierig in sich hinein. So ging es vierzig Tage, da wurde der Barbier sehr krank. Zuerst versorgte der Türhüter des Khans die beiden Gefährten. Aber nach vier Tagen wurde es mit dem Barbier so schlimm, dass er das Bewußtsein verlor. Der Färber aber verspürte großen Hunger. Er stand auf, durchsuchte die Kleider seines Kameraden nach Nahrung und fand einen Beutel mit tausend Silberlingen, die jener erspart hatte. Diese nahm er an sich, verschloß die Kammer und ging in die Stadt, ohne jemand ein Wort zu sagen. Auch der Türhüter hatte ihn nicht fortgehen sehen, denn er war gerade auf dem Markt gewesen.

Der Färber ging in den Basar und kaufte sich für fünfhundert Silberlinge kostbare Kleider. Dann spazierte er durch die Straßen und besah sich die Stadt. Als er bemerkte, daß alle Leute nur in weiß und Blau gekleidet gingen, sprach er bei einem Färber der Stadt vor. Hier erfuhr er, dass alle vierzig Färber der ganzen Stadt nur Blau färben konnten. Er bot sich an, sie das Färben auch mit anderen Farben zu lehren, aber weder als Lehrer noch als Lehrling wollten sie ihn haben. Auch eine eigene Färberei einzurichten wurden ihm nicht erlaubt. So ging er zornig zum Sultan der Stadt, um sich zu beklagen. Der hörte ihn an, gab ihm recht, daß auch andere Farben verwendet werden müßten und versprach, ihm eine Färberei einzurichten. Er durfte sich ein passendes Grundstück mitten in der Stadt aussuchen und der Sultan schenkte ihm ein schönes Reitpferd, zwei Sklaven als Bedienung und tausend Goldstücke; auch gab er ihm ein schönes Wohnhaus mit allem Hausrat darin. Dann wurde des Sultans Baumeister gerufen. Der mußte nun eine Färberei nach den Wünschen des Färbers erbauen und einrichten, und als alles fertig stand gab der Sultan noch vierhundert Goldstücke für Farben und Geräte, dazu fünfhundert Stücke Stoff, die er in mancherlei Farben färben sollte.

Eifrig begann der Färber sein Werk; und als der Sultan mit seiner Arbeit zufrieden war, kamen bald auch die Soldaten und wollten Stoffe gefärbt haben für ihre Monturen. Es kamen viele andere, brachten ihm Stoffe, warfen ihm Gold und Silber zu - und bald war er ein reicher Mann und sein Laden hieß "des Sultans Färberei". Dem Barbier war es inzwischen nicht gut gegangen. Tagelang lag er allein, bewußtlos und ohne Pflege und Nahrung in seiner Kammer. Der Türhüter glaubte, die beiden Gefährten hätten sich heimlich aus dem Staube gemacht, ohne ihm die Miete und die Auslagen zu bezahlen. Da hörte er eines Tages ein lautes Stöhnen aus der verschlossenen Kammer, öffnete die Tür und fand den Kranken, der großen Hunger verspürte, sowie den leeren Beutel. Da erkannten beide, dass der Färber nicht nur ein schlechter Kamerad, sondern auch ein Dieb war. Mitleidig versorgte der Türhüter den Barbier mit Speiß und Trank, die er aus seiner eigenen Tasche bezahlte, bis nach mehr als zwei Monaten die Krankheit endlich nachließ und der Barbier genas. Mit Worten des Dankes und mit dem Versprechen, ihm sobald wie möglich die Auslagen zu ersetzen, nahm er von dem Türhüter Abschied und ging durch die Straßen, bis das Schicksal ihn vor die Färberei seines ungetreuen Gefährten führte. Er sah die bunten Stoffe in der Auslage und von Umherstehenden hörte er, wie der Färber durch den Sultan zu Glück, Reichtum und Ansehen gekommen war. Er trat ein, den Gefährten zu begrüßen, aber dieser tat hochmütig, wollte ihn nicht wiedererkennen, sondern ließ ihn durch seine Diener hart verprügeln, schalt ihn einen verruchten Stoffdieb und warf ihn vor die Tür. Betrübt kehrte der Barbier in seine Kammer zurück. Als er sich nach einigen Tagen von dem Ärger und den Schlägen wieder erholt hatte, wollte er ins Badehaus gehen, um dort seine Dienste als Wärter und Badediener anzubieten. Aber in der ganzen Stadt war kein Badehaus zu finden, alle badeten nur im Meere, und niemand kannte eine solche Einrichtung. So ging der Barbier zum Sultan, fiel vor ihm nieder und pries ihm in lauten Lobsprüchen die Wonnen eines Badehauses. Sogleich war der Sultan Feuer und Flamme dafür, auch in seiner Stadt einen solchen Ort des Vergnügens zu besitzen. Nun erging es dem Barbier wie es vorher dem Färber geschehen war. Der Sultan schenkte auch ihm viel Geld, ein Pferd, zwei Sklaven und reiche Gewänder und ehrte in vor allen anderen, sogar noch mehr, als vorher den Färber. Der Barbier durfte sich einen guten Platz mitten in der Stadt auswählen; hier mußten nun des Sultans Baumeister ein Badehaus erbauen, wie der künftige Eigentümer es ihnen angab und wie es nirgends ein zweites gab. Es wurde mit bunten Farben bestrichen, und als alles aufs beste vollendet war, gab der Sultan dem Barbier noch tausend Goldstücke, um Geräte und Tücher, wohlriechende Seifen und andere Spezereien zu beschaffen. Die Badetücher wurden vor dem Badehause auf langen Leinen aufgereiht und neugierig drängten sich die Leute herbei, fragten und staunten, denn nie hatten sie dergleichen gesehen. Das Wasser im großen Becken wurde heißgemacht, Wohlgerüche wurden verbrannt, ein Springbrunnen zur Freude der Gäste eingerichtet und zehn schöne Jünglinge als Badewärter und Kneter angelernt. Ein Ausrufer ging durch die Straßen und rief überall: "Leute kommt in das Badehaus des Sultans!" Da strömten viele herbei, und drei Tage lang durfte jeder umsonst Baden. Am vierten Tag kam sogar der Sultan ins Badehaus, und der Barbier selbst wusch und knetete und salbte seinen hohen Gast. Dieser befahl, daß jeder tausend Dinare zahlen sollte, der zum baden käme. Aber der Barbier bat zu erlauben, daß jeder geben solle, soviel er vermöge, damit auch weniger reiche Leute die Wonnen des Badehauses genießen und die Fürsorge des Sultans preisen könnten. Auch damit war der hohe Herr einverstanden und gab dem Barbier noch viele Goldstücke und Sklaven und andere Geschenke, weil er so bescheiden und gerecht denkend gesprochen hatte. Schon am ersten Tage waren vierhundert leute ins "Badehaus des Sultans" gekommen, und mit jedem Tage wurde ihre Zahl größer, so daß der Barbier bald genug damit zu tun hatte, neben der Tür beim Geldkasten zu sitzen und einzulegen, was die Gäste gaben. Und als nach etlichen Wochen auch die Frau des Sultans wünschte, ins Badehaus zu gehen, teilte der Barbier den Tag: Vom Morgengrauen bis zum Mittag sollten die Männer, am Nachmittag aber die Frauen baden dürfen. Und es wurden Wärterinnen und Baderinnen bestellt, und eine kluge und schöne Sklavin saß neben der Geldtruhe, wenn die Frauen kamen. Der Königen gefiel das Badehaus ebenfalls und von früh bis spät war ein stetes Kommen und Gehen dort. Reichtum strömte dem Barbier zu jeder Tür herein; der Sultan kam einmal in der Woche und gab jedesmal tausend Dinare. Auch andere Leute, vornehm wie gering, kamen und wurden alle mit gleicher Höflichkeit behadelt. Eines Tages kam auch der Schiffshauptmann. Der Barbier selbst wusch und salbte ihn und setzte ihm nach dem Bade Kaffee und süßes Getränk vor, wollte aber zum Abschied nichts von ihm nehmen. Sie schieden als Freunde, und der Hauptmann wußte nicht, wie er dem Badbesitzer seine Großmut vergelten sollte.

Als der Färber von den Wundern des Badehauses hörte, ließ es ihm keine Ruhe mehr: er mußte selbst hin und alles sehen. Er kleidete sich sogfältig an, nahm acht Sklaven als Begleitung mit und ritt vor das Badehaus. Hier sah er das Leben und die Menge der Gäste und bemerkte endlich auch seinen alten Gefährten, den Barbier. Er stellte sich reuevoll, weil er ihn hatte schlagen und hinauswerfen lassen, entschuldigte sich aber damit, daß er ihn im Übermaß der Arbeit nicht wiedererkannt habe. Der Barbier war sogleich bereit, ihm zu verzeihen und erzählte, wie der Sultan auch ihm wie dem Gefährten große Gnade und Güte erwiesen und ihm zu Ansehen und Reichtum verholfen habe.

Der Färber wurde neidisch, verbarg es aber unter salbungsvollen Worten und trat ein. Der Barbier bediente seinen Gast selber, brachte ihm nach dem Bade ein Mittagsmahl und kühles Getränk und wollte kein Entgelt von seinem Gefährten annehmen.

Beim Abschied sagte der Färber: "Dein Bad ist gewaltig schön; aber eines fehlt dir noch darin: eine Salbe aus gelbem Arsenik und ungelöschtem Kalk, um Haare ohne Schmerzen zu entfernen. Bereite sie sogleich und schenke sie beim nächsten Besuch dem Sultan und zeige ihm ihren Gebrauch; er wird dir dankbar sein dafür!" Der Barbier versprach, sie sofort zu mischen; der Färber aber eilte zum König und verklagte den Gefährten, dieser wolle mit scharfer Giftsalbe den König töten. Dazu erzählte er eine lange, selbsterfundene Geschichte, damit der Sultan ihm glauben sollte.

Als der König beim nächsten Male wieder ins Badehaus kam, bot der Barbier ihm die gewisse Salbe an. Der König fand ihren Geruch ekelhaft und hielt sie für schlimmes Gift. Ergrimmt rief er seine Wachen und ließ den Barbier binden und in den Palast führen. Hier berief er den Schiffshauptmann und trug ihm auf, den Gefangenen mit zwei Zentnern ungelöschten Kalkes zusammen in einen Sack zu tun und diesen vor den Fenstern des Sultans ins Meer zu werfen, sobald der Herrscher ihm mit der Hand winken würde. Der Hauptmann führte den Gefangenen mit sich auf eine verstekcte Insel gegenüber dem Palast. Dort erinnerte er sich des Besuches im Badehause und fragte den Barbier, weshalb der Sultan ihm eine so grausame Todesstrafe auferlegt habe. Der verurteilte beteuerte, sich keines Vergehens gegen den Sultan bewußt zu sein und der Hauptmann glaubte ihm und meinte, daß ihn sicher wohl jemand beschuldigt habe, der auf sein Glück neidisch sei. Daher wollte er ihn mit List erretten und einstweilen auf der Insel verborgen halten, bis er ihm zur Flucht verhelfen könnte. Dann nahm er einen Sack, schüttete den ungelöschten Kalk hinein und tat einen dicken Stein in eines Menschen Gestalt dazu. Er ruderte vor den Palast und wartete auf das Zeichen des Sultans. "Wirf ihn hinein!" rief der König und winkte ihm mit der Hand. Dabei fiel ihm sein blitzender Siegelring vom Finger in die tiefe Flut. Der Sultan erschrak, war doch der Ring das größte Zeichen der Macht und Herrschaft und trug geheime Kräfte in sich. Er verbarg also den Verlust vor seinem Gefolge. Der Hauptmann aber warf den Sack wie befohlen in die Flut, wo er unter heftigem Brausen sofort versank. Der Barbier war indessen auf der Insel dabei, auf geheiß des Hauptmanns einige Fische für des Sultans Abendtafel zu fangen. Wieder und wieder warf er das Netz aus bis ein großer Haufen Fische vor ihm lag. Er suchte sich einen großen Fisch heraus, den der Hauptmann ihnen nach seiner Rückkehr braten sollte. Als er das Tier aufschnitt, fiel des Königs Siegelring zwischen den Kiemen heraus. Der Barbier schob das Kleinod einstweilen auf den kleinen Finger, ohne seine Zauberkraft zu kennen. Da kamen zwei Knaben aus des Sultans Küche und fragten nach dem Hauptmann, um die bestellten Fische zu empfangen. Da der gefragte noch nicht da war, schüttelte der Barbier den Kopf; als er den Knaben aber mit der rechten Hand winkte, an der jener Ring blitzte, fielen beiden Jünglingen die Köpfe von den Schultern. Bald darauf kam der Hauptmann; da erfuhr der Barbier, welche tödliche Kraft in dem Ringe verborgen lag.

Sogleich wollte er dem Sultan sein Eigentum zurückbringen. Daher ruderte der Hauptmann seinen Gefangenen in die Stadt hinüber. Der Barbier eilte in den Palast, wo der Sultan in der Kammer des Rates seinen Würdenträgern gegenübersaß, und zwar in schwerer Not und Sorge um den Siegelring, an dem seine Macht hing; denn er wagte zu keinem von seinem Verlust zu sprechen. Als der Barbier in den Saal geführt wurde, verwunderte sich der Sultan, wie jener dem Tode entronnen wäre. Und nun hörte er alles, was am gleichen Tage geschehen war, von der Verhaftung des Barbiers bis zu diesem Augenblick. "Du, o Herr, hast freundlich an mir gehandelt und mich zu höchsten Ehren gebracht, dafür bin ich dir ewig dankbar. Hier ist dein Ring, nimm ihn zurück. Und sollte ich etwas gegen dich gesündigt haben, was den Tod verdiente, so erschlage mich, und Allah möge es dir verzeihen." Dabei zog er den Ring vom Finger und gab ihn dem König zurück; der nahm ihn, schob ihn auf seine Hand und fühlte, wie Leben, Mut und Kraft in ihn zurückkehrten.

Er lobte den Barbier wegen seiner Geradheit und Ehrlichkeit und ließ sich alles berichten, was zwischen den Gefährten beschworen war und wie der Färber mehrmals unredlich an seinem kameraden gehandelt hatte. So kamen alle diese Schurkereien an den Tag, und auch die Arbeiter aus der Färberei sowie der Türhüter aus dem Khan wurden in den Palast geholt und mußten Zeugnis ablegen über des Färbers Schlechtigkeit. Nun wurde dieser zu derselben Strafe verurteilt, die den Barbier hatte treffen sollen. Dieser wollte seinen Gefährten losbitten, aber der Sultan konnte ihm nicht verzeihen, weil jener sich gegen den Herrscher selbst vergangen hatte. Dem ehrlichen und treuen Barbier aber schenkte der Sultan reichen Vorrat an köstlichen Gaben, dazu ein Schiff mit voller Mannschaft und erlaubt ihm, die Heimfahrt nach Alexandrien anzutreten.

Und als das Schiff am Ziele war und am Strande anlegte, sah einer der Schiffsleute einen zugebundenen Sack am Ufer liegen. Als man ihn öffnete, fand man darin die Überreste des toten Färbers, die das Meer bis hierher getragen hatte. Der Barbier nahm sie mit heim und begrub sie. Über dem Grabe erbaute er eine Wallfahrtskapelle, die er reichlich mit frommen Stiftungen bedachte und mit Sprüchen der Lebensweisheit schmücken lies.

Hinfort lebte der Barbier noch viele Jahre im Glück und Wohlstand, bis Allah ihn zu sich nahm. Dicht neben seinem ungetreuen Gefährten begrub man auch ihn, damit im Tode vereint bleibe, was im Leben beieinander war. Ruhm sei Allah, der immer und ewig dauert und durch dessen Willen Tag und Nacht sich wandeln!

Dekoration

Polster (extra große) und Decken für den boden; großes Wandbild

Attraktion

Schlange aus dem Korb ziehen:
An der Flöte wird ein dünnes Seil befestigt; mit diesem wird eine lange und große "Schlange" mit viel Geschick aus dem Korb gezogen.