Freies Ohr für Kinder

Wie Kinder zu Recht kommen

Ideen für eine Gruppenstunde zu den Kinderrechten

Der Kinderrechtekönig

Hintergrund

Kinder machen in ihrem Alltag immer wieder die Erfahrung, dass sie nicht wirklich ernst genommen werden. Sie werden ausgelacht oder alleingelassen, manchmal herumgeschubst oder gar geschlagen. Ob Italien nun die UN - Konvention der Rechte der Kinder ratifiziert hat oder nicht, ändert wenig am konkreten Erleben der Kinder in ihrem Alltag. Beim Thema Kinderrechte geht es übrigens niemals darum, die Kinder in irgendeiner Weise gegen ihre Eltern, Lehrer/innen oder andere Erwachsene aufzuhetzen, sondern darum, ihnen die Gelegenheit zu geben, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten für schwierige Situationen zu überlegen.

Ziel

Ausgehend von einem Märchentext sollen die Kinder die Möglcihkeit bekommen, ihre konkreten Erfahrungen mit recht und Unrecht auszutauschen und zu überlegen, wie sie sich im Fall des falles verhalten könnten.

Aufbau

Die Gruppenstunde ist in ein Handpuppenspiel eingekleidet. Die Puppen erzählen das Märchen des Kinderrechtekönigs. Die Kinder werden mehrmals um Ideen gebeten, wie auftauchende Probleme gelöste werden könnten. Der König bittet die Kinder gegen Ende der geschichte, selbst Fälle zu sammeln, wo Kinder ungerecht behandelt werden. Zu diesen Fällen sollen die Kinder in einem weiteren Schritt selbst Lösungen finden. Zuletzt werden einige Forderungen an die Erwachsenen auf einem Plakat notiert, das dann in der Pfarre aufgehängt werden kann.

Material

  • Eine Bühne für die Handpuppen (das kann ein großer Karton sein oder auch einfach ein umgelegter Tisch, über dem gespielt wird)
  • Drei Handpuppen: Ein König, ein Sohn und ein Bote
  • Kinderunrecht - Formulare in ausreichender Menge
  • Ca. vier bis fünf weitere Handpuppen (ganz leicht aus Klopapierrollen, einer Holzkugel für den Kopf und ausreichend Stoff oder Filz für die Kleidung zu basteln)

"Ein neues Gesetz"

... heißt der Märchentext, von dem in dieser Gruppenstunde ausgegangen wird. Du erzählst die Geschichte allerdings nicht in einem, sondern in mehreren Teilen und lässt die Kinder zwischendurch überlegen, wie es weitergehen könnte. Um das Ganze noch etwas spannender zu machen, wäre es fein, die Geschichte als Hanpuppenspiel in Szene zu setzen!
Aus einem Karton oder einem Tisch hast du vor der Stunde eine kleine Theaterbühne gebaut, auf der die Personen auftreten können. Die Bühne ist das Zimmer des "herzensguten Königs", neben ihm tritt als zweite Figur sein Sohn auf. Später wird dann noch ein Bote auftauchen.

Wenn die Kinder in die Gruppenstunde, begrüßt du sie und erzählst ihnen, dass ihr heute einen Blick in das Reich des "herzensguten Königs" machen werdet. Du bittest sie vor die "Bühne". Der König betritt die Bühne und du beginnst als Erzähler/in mit dem ersten Teil der Geschichte. Dabei lässt du den König selbst möglichst viel sprechen.

"Es war einmal ein herzensguter König, der beschenkt jedes Jahr zu seinem Geburtstag seine Untertanen mit großen Reichtümern. Ein Jahr kamen alle Männer dran, ein Jahr alle Frauen, ein Jahr alle Kinder. Als wieder einmal die Kinder an der reihe waren, wollte er..... hmmm, das war nicht so leicht, also fragte er die Kinder, was er ihnen wohl schenken könnte."

Eine Geschenkidee?

Hier unterbrichst du und fragst die Kinder, was denn der König den Kindern schenken könnte. Die Kinder sagen dem König Ihre Ideen, der sie wohlwollend zur Kenntnis nimmt und daraus eine nette Geschenkidee entwickelt.
Du erzählst und spielst weiter:

"Der König wollte also den Kindern... (eben das, was in der vorigen Sammlung herausgekommen ist) schenken. Doch sein Finanzminister sagte: "Lieber Chef, heuer geht's nicht! Die Kasse ist komplett leer!" Da fing der König bitterlich an zu weinen. Aber sein Sohn sagte zu ihm: "Hör doch auf zu heulen, Papa. Schenk den Kindern eben etwas, was kein Geld kostet!" "So etwas gibt es doch nicht!" schluchzte der König. Und er fragte sich traurig, was denn das sein könnte..."

Du kannst hier wieder unterbrechen und den König die Kinder fragen lassen, ob sie ihm einen Tip geben könnten.

"Doch gibt es etwas, was kein eld kostet!" sagte der Sohn. "Schenk ihnen doch ein Gesetz! Eines, in dem steht, dass die Erwachsenen Kinder nicht mehr schlagen dürfen und nicht mit ihnen schimpfen dürfen. und auslachen und alleinlassen und Herumschubsen und Nicht-ernst-nehmen verbietet das gesetz auch. Alles, was böse ist, darf Kindern nicht mehr angetan werden!" "Das ist wunderbar!" rief der König, trocknete seine Tränen und erließ ein wunderbares Gesetz, welches alle Gemeinheiten gegen Kinder unter strengste Strafe stellte. Doch als er ein paar Wochen später bei den Kindern nachfragte, ob sie wohl Freude an seinem Geschenk hätten, wurde er bitter enttäuscht. "Dein gesetz ist Mist", sagten ihm die Kinder. "Hält sich ja keiner dran!" Der König lief heim und beschwerte sich bei seinem Sohn. "Tut mir leid, das habe ich nicht bedacht", sagte der Sohn. "Hmm, was könnten wir jetzt tun?"

Die Kinderschutzpolizei

Auch hier können sich die Hanpuppen wieder an die Kidner wenden. Dem Sohn kommt schließlich eine gute Idee:
"Wenn das so ist, mußt du eben eine Kinderschutzpolizei gründen, die darauf schaut, dass die Gesetze eingehalten werden". "Das ist wunderbar!" rief der König und gründete die Kinderschutzpolizei. Eine Geheimpolizei war das. Denn die größten Gemeinheiten gegen Kinder werden ja im Geheimen begangen. Als Klofrauen und Schaffner, Hausmeister und Gaskassierer, Tischler, Schulwarte und Verkäuferinnen haben sich die Geheimpolizisten verkleidet. Überall waren sie! Und niemand hat gewusst, ob der kleine blaue Mann, der die elektrischen Leitungen kontrolliert, tatsächlich ein Elektriker war oder nicht doch ein Kinderschutzpolizist. Nicht einmal von der dicken Frau, die im Bus auf die Kinder losgeschimpft hat, hat man wissen können, ob sie es ehrlich so meint. Es hätte ja auch eine listige Tarnung einer Kinderschutzpolizistin sein können! Und darum haben sich auch alle Erwachsenen brav an das gesetz gehalten. Weil ja auf jeden Verstoß hohe geldstrafen gestanden sind! Und mit den Jahren habensich die Erwachsenen so an das Freundlichsein zu Kindern gewöhnt, dass sie es freiwillig getan haben, ganz ohne Zwang. Und alle gehweimen Kinderschutzpolizisten konnten den Beruf wechseln. Und so lebten von da an alle Menschen in diesem Land glücklich zusammen. Der König aber wurde zum "Kinderrechtekönig" ausgerufen".

Missachtete Kinderrechte

Im Reich des herzensguten Königs herrschte also nun eitle Wonne. Doch nicht überall auf der Welt ist alles so problemlos.

"Da kam ein Bote zum König und brachte ihm schlechte Nachrichten aus dem Nachbarbereich. Denn dort werden die Rechte der Kinder nicht so gut beachtet. Der Bote berichtet: "Ich habe gesehen, wie eine Mutter ihrem Kind verboten hat, ins Schwimmbad zu gehen, weil es in der Schule eine schlechte Note bekommen hat. Ein paar ältere Leute haben Kinder verjagt, weil sie vor der Parkbank, auf der sie gesessen sind, gespielt haben. Ein Vater hat seinem Sohn eine Ohrfeige gegeben, weil dieser die Urgroßtante nicht "anständig" begrüßte hat. Und das ist noch nicht alles, es gibt noch viel mehr zu berichten aus diesem Land!" "Das ist aber arg!" sagte der König. "Ich muß noch mehr darüber wissen, dann können wir überlegen, was wir dagegen tun könnten! Weißt du was, Bote, dufärst zurück in dieses Land und bittest die Kinder dort, dir zu berichten, wie und wo ihre rechte missachtet wurden." "Das mache ich!" sagte der Bote und ..."

...wendet sich an die Kinder. Er schlägt ihnen vor, sich in Kleingruppen von zwei bis vier Kindern zu teilen und dort zu überlegen, welche Situationen sie kennen, in denen Kinder ungerecht behandelt werden. Sie müssen diese Situationen nicht selbst erlebt haben, sie sollten aber auch nicht frei erfunden sein. Damit sich die Kinder leichter tn, die unrechtssituationen zu sammeln, hat er ihnen ein Formular mitgebracht, auf welches diese geschrieben werden können. Auf der Vorderseite des Formulars geht es um das Aufdecken von ungerechten Situaionen. Sie könnte z.B. mit "He! Ein Kinderunrecht!" beschriftet sein.
Auf der Rückseite ist dann Platz für Reaktionen und Lösungsvorschläge der Kinder. Auf ihr könnten z.B. folgende Fragen stehen: "Wie könnte das Kind reagieren?" und "Was müßte getan werden, damit so etwas in Zukunft nicht mehr geschieht?"

Du teilst den Kindern nun die Formulare aus und schaust darauf, dass die Kinder sich in Kleingruppen zusammenfinden. Du erklärst den Kindern, dass sie zuerst nur die Vorderseite des Zettels ausfüllen sollen. Außerdem sagst du ihnen den Zeitpunkt, wann ihr wieder zusammen kommt (etwa in 10 Minuten). Sind alle Kleingruppen fertig, stellen die Kinder die Situationen dem König vor.

Gibts Lösungen?

"Oje, Oje! So viele Probleme! Da fällt mir aber nicht sehr viel ein!" sagt der König ziemlich bedrückt. "Könnt ihr mir vielleicht weiterhelfen, Lösungen für diese Probleme zu finden? Ich meine: Was könnte ein kind in dieser Situation denn machen und was müsste getan werden, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert? ich glaube, Ihr seid ja Experten für solche Fälle!"

Die Kleingruppen tauschen nun die verschiedenen Situationen untereinander aus und teilen sich danach wieder in die Gruppe auf. Dort wird dann überlegt, wie die betroffenen Kinder reagieren könnten und was man langfristig ändern müßte, damit das nicht immer wieder passiert. Die Kleingruppen füllen also die Rückseite des Formulars aus.

Nach einem ausgemachten Zeitraum trefft ihr wieder zusammen, um einander und natürlich auch dem König die Ergebnisse vorzustellen. Anstatt die Vorschläge lediglich zu erzählen, wäre es allerdings spannender, einige Lösungsmöglichkeiten mit Hilfe der Handpuppen darzustellen. Dazu braucht ihr nun die zusätzlichen Handpuppen, denen die Kinder jeweils für die spezielle Situatuionen Namen geben.
Wenn Kindern aus anderen Kleingruppen während des Spielens noch weitere Lösungen einfallen, können diese von den HandpuppenspielerInnen ganz einfach ausprobiert werden.

Zum Anschluss

...könntet Ihr all die Ideen, die im Zuge des Hanpuppenspiels gezeigt wurden, auf ein Plakat zusammenfassen. unter dem Titel "Wir Kinder wollen..." können die Vorschläge vom dritten Teil des Formulars gesammelt und im Pfarrcafé oder in einem Schaukasten aufgehängt werden, sodass auch die Erwachsenen einmal direkt erfahren, was die Kinder gerne hätten. Das geht aber natürlich nur dann, wenn die Kinder deiner Gruppe das auch wirklich wollen

Schlussendlich bleibt dem Kinderrechtekönig nur mehr, sich ganz herzlich im Sinne aller Betroffenen Kinder für all die Mühe zu bedanken und den Kindern selbst alles Gute zu wünschen.

Das Märchen "Ein neues Gesetz" findest du in: "Ein und Alles" Ein Jahresbuch mit Geschichten, Bildern, Texten, Sprüchen, Märchen und einem Tagebuch-Roman von: Christine Nöstlinger, Jutta Bauer.

Aus: "Na ich": Behelf der Katholischen Jungschar der Erzdiözese Wien

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