Jungschar Untermais

Tot und lebendig

Eine bäuerliche Posse von Risa Karhan (geringe Abänderungen)

Personen: (4) der Mann,
das Weib,
der Vetter,
die Mutter
Spieldauer: ca. 10 Minuten
Szene: Eine ärmlich eingerichtete Stube des Ehepaars. Der Mann sitzt ungeduldig am Tisch, die Frau kommt mit einem Teller in der Hand.
Mann: Ja, was ist denn Alte? Kriegen wir heute nichts zu essen? Mein Magen kracht wie ein ungeschmiertes Wagenradl.
Weib: Net nur der deine, auch der meine kracht!
Mann: Na also! Dann mach weiter! Was kriegen wir denn Gutes?
Weib: Gutes! Gutes! Du möchtest alleweil was Gutes! Wo soll ich's denn hernehmen? (Stellt einen Teller auf den Tisch) Da hast! Iß! Füll's Loch in deinem Magen aus!
Mann: Erbsen, schon wieder! Ja, gibts denn sonst überhaupt nichts mehr? Mir scheint, du willst mich geradewegs unter die Erd' bringen.
Weib: Was anderes hab ich nit! Ohne Geld kein Musi! Wenn du mich um und um drehst, fällt kein Groschen heraus. Ja, schau nur, so weit hast du uns gebracht! Jetzt wirds lustig! Drei Monat sind wir schon den Zins schuldig! Der Hausherr wird uns bald das Fliegen lernen.
Mann: Na, dann fliegen wir halt! - aber tu die Erbsen weg. Wenn ich's nur riech, drehts mir schon den Magen um.
Weib: Ist schon recht! Soll ihn dir nur umdrehen! Mir hats ihn auch umgedreht. Heut noch dreht's mir ihn um, wenn ich dran denk, daß du unser Sach verkauft hast; die Gelbsucht könnt ich kriegen vor lauter Gift und Gall.
Mann: Jesum, hör auf! Fang net scho wieder an! Deine ewige Nörgelei wächst einem schon zum Hals heraus.
Weib: Weils wahr ist! So einen blöden, hirnverbrannten Streich kannst auch nur du machen. Unser Sach war klein und gering, aber es hat seinen Mann ernährt. Hunger haben wir keinen gelitten, zu essen war alleweil da.
Mann: Aber geschunden haben wir uns genug. Wie ein paar Tragesel haben wir geschuftet!
Weib: Ich wollt, ich könnt mich noch schinden und schuften! Zu gut ist's dir gangen! Viel zu gut! Ganz narrisch bist worden vor lauter Gier nach der Stadt. Hast gemeint, da herinnen fliegen dir die gebratenen Tauben so ins Maul! Ja, Schnecken! Fünf Monate sind wir schon da, und du hast alleweil noch keine Arbeit! Jetzt haben wir keinen Hof mehr, und's Geld ist auch beim Teufel.
Mann: Ja, ja. Ich woaß eh, daß ich einen Dummheit gemacht hab. In so einer unsicheren Zeit soll man nichts verkaufen. Aber no - geschehen ist geschehn. Heut bin ich narrisch vor Heimweh nach unserem Heimatdörfl - und auch nach unserer Sach - ja! Und wenn ich mich als Knecht verdingen muß, aber zurück will ich, und das so schnell als möglich. Dazu muß Geld her, sonst steh ich um!
Weib: Geld! Woher nehmen und nicht stehlen!
Mann: Ich hab meinem Vetter geschrieben!
Weib: O mei! Da bist schon maustot, bevor du von dem was kriegst! Der vergönnt sich ja selber nichts, der Neidkragen.
Mann: Diesmal wird er herausrücken! Wirst schon sehen!
Weib: Wieso, was hast ihm denn geschrieben?
Mann: Daß du gestorben bist und kein Geld zum Eingraben da ist.
Weib: (lacht hell auf) Na, so was!
Mann: Das hab ich gut gemacht, gellt! Ja, ich hab mir dacht: bei dem mußt du scharf kommen, sonst kriegst nichts. (Man hört Klopfen) Wer kann's denn sein?
Sicher der Briefträger mit dem Geld! Mach auf, Alte! Tummel dich, der wartet net!
Weib: Kannst ja auch du aufmachen! (geht, kommt aber nach einer kleinen Pause wieder gleich) Hm! Der Briefträger! Daß i net lach! Der Hausmeister war's mit der Kündigung! Da, lies: binnen drei Tagen muß die Wohnung geräumt sein!
Mann: Herrschaftszeiten! Jetzt schlägts dreizehn! Nichts zu essen und kein Dach überm Kopf! Das ist zu viel! (Man hört draußen stärker Klopfen) Aber jetzt ist er da! Der trommelt alleweil so!
Weib: Wenn's wahr ist! Am End ist's der Schuster! Der hat mich schon vor ein paar Tagen z'sammengerempelt, wir sollen endlich zahlen! (es klopft wieder)
Mann: Geh und schau beim Guckerl hinaus. Wenn's net der Briefträger ist, machst gar net auf! Aber geschwind, sonst rennt er davon!
Weib: (geht brummend) So ein hundelendiges Dasein! Jetzt wird's mir bald zu dumm!
Mann: Recht hat's! In die Stadt hab ich herein müssen, ich Strohschädel.
Weib: (Kommt zurück) Mann setz dich nieder! Weißt wer draußen ist? - Dein Vetter!
Mann: (erschrocken) Birnbaum und Hollerstauden! Alte - was tun wir denn jetzt? (es klopft sehr laut) Es bleibt nichts übrig, du mußt sterben!
Weib: (kreischt auf) Ah, um Gottes Willen, du wirst doch net...
Mann: Aber sei doch still, dumme Trutschen! Ich tu dir doch nichts. Damit will ich nur sagen: Du mußt dich hinlegen und so tun, als ob du gestorben wärst!
Weib: Ach so! Na, so leg ich mich halt hin, in Gottes Namen! Deck mich zu, und übern Kopf leg mir ein Tüchl, sonst muß ich blinzeln.
Mann: So, jetzt laß ich ihn herein! Rühr dich ja net, ich sags dir.
Weib: (Schreit auf) Au, mir scheint, ich hab mich auf mein Nähzeug gelegt. (man hört draußen reden)
Vetter: (tritt ein) Na, so was! So schlecht hausen! Sie ist doch alleweil pumperlgsund gewesen! Was hat ihr denn gefehlt?
Mann: (jammert mit weinerlicher Stimme) Was weiß ich denn! Auf einmal hat's einen Schnackler getan - ist umgfallen - und weg wars! (schluchzt auf) Meine gute Alte!
Vetter: Geh Seppl, kränk dich net! Bist eh um alles kommen wegen dem Weibsbild! Und bissig war's auch wie ein Kettenhund!
Weib: (Schluckt auf)
Vetter: (erschrocken) Alle guten Geister, was war denn das? Das war doch ihre Stimme? Siehst - net einmal tot gibt sie a Ruh! Ich geh', da ist's zu unheimlich bei dir da!
Mann: Aber Vetter, schau her, sie liegt ja ganz ruhig da.
Vetter: (ängstlich) Um Gottes willen, laß's zugedeckt. Ich kann keinen Toten sehen! Da hast's Geld! Ich muß gehen, ich hab noch allerhand einzukaufen. Behüt dich Gott. Laß dich einmal sehen bei mir.
Mann: Ja, behüt dich Gott. Und recht schönen Dank (schließt die Tür)
Weib: No, der hat aber Zeit gehabt. So ein Razi! Der hat Glück gehabt, daß ich mich nicht hab rühren dürfen. Mit dem Besen hätt ich ihn hinausgejagt.
Mann: Aber mach dir nichts draus, Alte! Die Hauptsach ist, wir haben ein Geld. Da schau her, was er mir gegeben hat! Siebenhunderttausend Lire, Alte! Jetzt sind wir aus dem Wasser!
Weib: (schreit) Alter! Da schau hinaus, wer da daherkommt!
Mann: Deine Mutter, was will die denn von uns!
Weib: Weil wir den gleichen Gedanken gehabt haben! Ich hab ihr geschrieben, daß du gestorben bist, und ich steht ohne Geld da.
Mann: O verflixt! da muß ich mich hinlegen und einen Toten markieren! Geschwind, Alte, deck mich zu und mach auf! 's kommt wieder Geld ins Haus. (Sie tun's - es klopft draußen) Sie ist schon da. Ich bin tot! Mausetot!
Weib: (geht - man hört draußen sprechen)
Mutter: Grüß dich Leni! (tritt ein) Ja, wie schaust denn aus? Ganz heruntergekommen.
Weib: (schluchzt auf) Mei armer Mann!
Mutter: Aber kränk dich net! Was hast denn eh schon gutes gehabt an seiner Seiten? Nichts wie Not und Elend! Um alles bist kommen, neben dem Lackerl! Jetzt kommst zu mir, ich brauch eh deine Hilf!
Weib: Ich kann aber net leben ohne ihn! Ich tu mir was an! Ich häng mich auf!
Mutter: (zornig) Dann hängst dich auf! Dummes Weibsbild! Wem net zu raten ist, ist net zu helfen. Ich kümmer mich um nichts mehr! So, da hast dein Geld, dass du alles in Ordnung bringen kannst, ich geh! Hab mehr zu tun, als dein Gejammer anzuhören.
Mann: (lachend) So ein altes Felleisen! Eine billige Arbeitskraft hätts braucht. Laß schauen, was hat's dir denn gegeben? Vierhunderttausend! Na, so nobel wie mein Vetter wars net! Aber macht nichts! Einem geschenkten Gaul schaut man net ins Maul! Mit dem Geld drehen wir der Stadt den Rücken und gehen wieder zurück, wo wir hergekommen sind. Aber zuerst holst was zum Essen rauf, mir fällt ja schon der Magen raus.
Weib: Soll ich den Zins auch zahlen?
Mann: Bist narrisch? Net einmal denken, wo sie uns herausgeschmissen haben! Das Geld findet eine bessere Verwendung! Nun geh schon!
Weib: (will gehen)
Vetter und Mutter: (hört man draußen streiten und näherkommen)
Weib: (dreht sich entsetzt um) alle guten Geister! Jetzt kommen's alle zwei! Was tun wir jetzt, Alter?
Mann: Birnbaum und Holderstauden! Muß der Teufel die zwei noch einmal dahertragen. Geschwind, Alte, leg dich nieder. Jetzt müssen wir alle zwei gestorben sein. Rühr dich net, sie kommen schon. (Sie tuns)
Vetter und Mutter: (kommen schreiend)
Vetter: Geh hör auf! Was du zusammenredest. Ich bin doch net verrückt. Ich hab doch vor ein paar Minuten mit dem Seppl geredet.
Mutter: Und ich hab mit der Leni geredet. Grad bevor ich mit dir geredet habe, habe ich mit ihr geredet.
Vetter: Du spinnst ja! Das ist ja ganz unmöglich! Bei dir ist ein Radl im Hirn locker worden!
Mutter: Bei mir net, aber bei dir! Da, schau her, ob's net der Seppl ist! (kreischt auf) haaah! Alle guten Geister, stehts mir bei! Die Leni ist's.
Vetter: No, was hab ich gesagt? Aber wo ist der Seppl (ruft) Seppl, Seppl! Wo steckts denn? Jeggerl, da liegt er, maustot!
Mutter: No, siehst, hab ich doch recht gehabt!
Vetter: Einen Schmarrn hast recht ghabt! Herrje! dreihunderttausendlire geb ich dem, der mir sagen könnt, wer zuerst gestorben ist von den zwei!
Mann: (setzt sich auf und schreit) Iiiiiiiiiiiiiiih!
Vetter und Mutter: (kreischen auf) Aaaaaah! (beide laufen davon und schlagen die Tür hinter sich zu.)
Mann und Weib: (lachen beide auf) Jetzt haben wir's los.
  Ende
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Zuletzt geändert: 29.09.2007
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