Jungschar Untermais

Der Sieger

Personen: (9)Erwin,
Karl,
Viktor,
Manfred,
Martha,
Agnes,
Brigitte,
ein Herr und eine Dame von der Berufsberatung
Spieldauer:ca. 15 Minuten
Szene:Wirtsstube. Links und rechts je ein Tisch mit Stühlen. Beiderseits der Stube sind Nebenzimmer gedacht. Am linken Tisch Viktor, am rechten Tisch Brigitte. Sie blättert in einer Zeitschrift
Viktor:Das haben wir jetzt davon.
Brigitte:Was?
Viktor:Wir sind zu früh da.
Brigitte:Wer zuerst da ist, kommt auch zuerst an die Reihe.
Viktor:Hast du eine Ahnung! Bei denen geht alles nach dem ABC.
Brigitte:Prost Mahlzeit! Da komme ich ziemlich am Ende.
Viktor:War überhaupt eine Schnapsidee, die Berufsberatung im Gasthaus zu machen.
Brigitte:Du weißt doch - unsere Klasse wird jetzt gebraucht. Da proben sie unsere Entlaßfeier. (deklamiert) Üb immer Treu und Redlichkeit!
Viktor:Ist überhaupt schon jemand da vom Arbeitsamt?
Brigitte:Ich denke doch. Die müssen doch erst noch ihre Akten sortieren. (Erwin und Karl kommen von rechts).
Erwin:Mahlzeit!
Karl:Servus!
Brigitte:Ah! Guten Tag, ihr Hübschen!
Karl:(setzt sich mit Erwin zu Viktor an den Tisch) Hübsch ist gar kein Ausdruck für uns, oder , Erwin?
Erwin:Was ist los? Läuft der Laden?
Viktor:Ach wo!
Erwin:Die sollen ein bißchen dalli machen, Ich hab meine Zeit nicht gestohlen!
Brigitte:Nicht so stürmisch, junger Mann! Hast du Angst, es ist kein Beruf mehr übrig für dich?
Erwin:Blödsinn! Was brauche ich überhaupt eine Berufsberatung!
Viktor:Eben, was braucht der eine Berufsberatung, wo er den dicken Hof des Vaters erbt!
Brigitte:Was! Denk doch nicht daran! Der wird im Leben kein Bauer!
Erwin:Was denn sonst?
Brigitte:Diplom-Playboy! (Manfred, Martha und Agnes von rechts)
Martha:Hallo Jungs! Na, wie stehen die Aktien? Habt ihr schon einige Jobs verpasst gekriegt? (Sie setzt sich mit Agnes zu Brigitte, Manfred und den Jungen)
Manfred:Also, ich sehe schwarz
Karl:Wieso? Mensch, jetzt sind wir endlich soweit! Jetzt werden wir auch die Moneten abstauben, die auf der Straße liegen. Und frag nicht wie!
Martha:Sicher! Wenn ich nur schon entdeckt bin! Was meint ihr, was ich dann schon an einer Schallplattenfirma verdiene! Und wenn ich dann einmal Schallplattenstar bin, kommt ihr mich alle besuchen.
Viktor:Ich versteh immer nur Schallplattenstar! Du gehst besser als Verkäuferin in eine Obsthandlung.
Martha:Verkäuferin? Obsthandlung?
Viktor:Klar! Mit den Mandeln im Hals und den Rosinen im Kopf!
Manfred:Nein, wißt ihr, ich seh da gar nicht so rosig. Überlegt doch mal! Ein ganzes Jahr lang waren wir in der Schule die großen, die Obersten. Aber da, wo wir jetzt hinkommen, da sind wir Anfänger, das Allerletzte.
Karl:Scheint mir auch so. An uns putzt sich dann jeder die Füße ab. Karl, feg den Dreck zusammen! Karl, spitz die Bleistifte! Karl, Bier holen! Karl hier, Karl hinten, Karl vorn!
Martha:Na also! Da bist du doch gleich der wichtigste Mann im Betrieb!
Brigitte:Wißt ihr überhaupt, was ihr wollt?
Viktor:Ich werde Automechaniker.
Erwin:Ist doch überlaufen!
Viktor:Das war einmal! Mach du heute eine anständige und zuverlässige Wageninspektion, und du kannst dich vor Kundschaft nicht mehr retten!
Brigitte:Und du, Karl?
Karl:Ich geh in die Konfektion. Da sollt ihr mich sehn! Was darf's sein, gnädige Frau?
Erwin:Die gnädige Frau wird sagen: Geh zu Mami, Kleiner, und lass dein Näßchen putzen!
Karl:Ach, sei du still, du Kuhstalldirektor!
Erwin:(drohend) Du hast wohl schon lange dein eigenes Geschrei nicht mehr gehört! Paß auf, sonst ....
Karl:Na ja, ein Verkäufer ist auch ein Mensch.
Agnes:Was willst du denn werden, Manfred?
Manfred:Ich - ich weiß es noch nicht.
Brigitte:Na, dann wird es aber bald Zeit!
Viktor:Was denn! Du gehst doch zu Polizei, denk ich!
Manfred:Nein, ich - ich weiß noch nicht.
Karl:Ist doch ein klarer Fall, Mensch. Wo dein Vater schon ...
Manfred: - bei der Polizei ums Leben gekommen ist. Wolltest du doch wohl sagen?
Karl:Nein, das nicht. Aber gerade darum! Denen würd' ichs jetzt mal zeigen, Mensch!
Viktor:Und du träumst doch schon seit Jahren davon, zur Polizei zu gehen und so einer zu werden wie dein Vater!
Manfred:Gewiß, früher einmal.
Martha:Und was ist jetzt? Polizisten fehlen doch hinten und vorn!
Brigitte:Stell dir nur vor, was du dann dem schönen Erwin Protokolle aufschreiben kannst, wenn er mit seinem Mercedes angebraust kommt!
Martha:Und er kann dir gar nichts wollen! Ein schiefer Blick, ein falsches Wort, und du hast ihn wegen Beamtenbeleidigung!
Viktor:Und Widerstand gegen die Staatsgewalt!
Manfred:Nein, laßt nur! Ich mag nicht. Schon bei der ersten Prüfung würde ich durchfallen.
Agnes:Was du einen Unsinn daherredest! Dabei kriegst du das beste Zeugnis in der Klasse!
Manfred:So meine ich das doch gar nicht.
Karl:Wie denn sonst?
Manfred:Bei der Polizei muß man - muß man eben größer und kräftiger sein, als ich. Da muß man etwas auf dem Kasten haben. (stille. Die anderen sehen sich Kopfschüttelnd an)
Agnes:Hast du doch, Menschenskind! Nun mach dich doch nicht selber verrückt!
Manfred:Was willst du denn werden?
Agnes:Ich? Schneiderin.
Manfred:Schöne Sache. Vielleicht sollte ich Schneider werden?
Martha:Was? Um Nadel und Faden zu stemmen wirds ja wohl reichen.
Manfred:Was willst du denn werden?
Martha:Du hast es doch gehört! Schlagerstar.
Manfred:Sonst nichts?
Martha:Na ja, zunächst einmal Friseuse. Bis ich entdeckt bin.
Karl:Ei ei ei, sprach die Friseuse - gnädige Frau, Sie haben Läuse!
Martha:Du mußt ja reden, du blöder Konfektionsheini! Wenn ich deinen Beatle-Kopf einmal unter die Finger kriege, dann gehst du aber als Stallbesen wieder nach Hause! Verlass dich drauf!
Viktor:Und unsere Brigitte? Die wird wohl Stewardesse bei der Alitalia?
Brigitte:Das kannst du dir denken! Nein, da muß man zuviel lernen. Und vom Lernen habe ich die Nase voll.
Viktor:Und wovon willst du leben?
Brigitte:Ich heirate!
Karl:Peng! Naja, dazu brauchst du nichts zu lernen und keine Prüfung zu machen.
Erwin:Aber wehe dem Schwergeprüften, den sie erwischt.
Brigitte:He Manfred, Kriminalkommissar! War das nicht schon eine Beleidigung?
Manfred:Hör auf! Ich geh nicht zur Polizei!
Erwin:Natürlich nicht. Muttersöhnchen können sie da nicht gebrauchen.
Agnes:Erwin! Du bist unfair!
Erwin:Stimmt doch! - nun lasst mich schon machen. (Er stellt sich herausfordernd vor Manfred)
Viktor:Mensch, jetzt dreh doch zu! Oder hältst du es für eine Heldentat, einen fertigzumachen, der nicht einmal dein Gewicht hat?
Erwin:Was heißt fertigmachen? Es geht mir einfach ... es geht mir einfach gegen den Strich, wenn einer so herumsäuselt und noch an Mamas Schürze hängt!
Agnes:Erwin! Das ist gemein!
Erwin:Was denn? Ach so! Die Schneiderin springt ihrem Schneider bei! Schönes Päärchen! Hätte mir's ja denken können. Dann kommt doch! Umarmt und küsst euch!
Manfred:Erwin, das nimmst du zurück!
Erwin:Ich denke nicht dran!
Manfred:Gut! (zieht die Jacke aus und krempelt die Ärmel hoch)
Erwin:Na endlich! (tut es ihm nach) Gemacht, mein Schatz. Hoffentlich hast du deine Knöchelchen numeriert!
Manfred:Du gemeines Großmaul! (Er springt seinen Gegner an. Nach kurzen Ringkampf fallen beide zu Boden. Die Mädchen springen verängstigt auf die Stühle. Viktor und Karl sehen sachverständig zu)
Viktor:Gar nicht schlecht! Deinen Griff muß ich mir merken. (Erwin kommt nach unten zu liegen und versucht vergeblich hochzukommen)
Karl:Noch fünf Zentimeter, Manfred! Noch drei!
Berufsberater:(von links) Was ist denn hier los? He! Auseinander! (Karl und Viktor sperren ihn durch Dazwischentreten vom Kampfplatz ab)
Karl:Bravo Manfred! Ein glatter Schultersieg! (Viktor hilft Manfred hoch und erklärt ihn durch Heben seines Armes zum Sieger - Die Mädchen klatschen Beifall)
Manfred:So jetzt geh zu Agnes und entschuldige dich!
Erwin:(kommt langsam hoch und klopft sich ab. Dann geht er zu Agnes und hält ihr die Hand hin) Entschuldige Agnes! Ich nehme alles zurück. (Agnes reicht ihm zögernd die Hand)
Berufsberater:(Kopfschüttelnd) Ich denke, hier ist die Berufsberatung. Manieren habt ihr ...! Wie heißt du?
Manfred:Manfred Gruber
Berufsberater:Na denn müssen wir wohl den Sieger als Ersten nehmen. Komm herein!
Erwin:(Zum Berufsberater) Ihr erster Kunde - (sieht Manfred an) geht warscheinlich zur Polizei.
Manfred:(entschlossen) Worauf du dich verlassen kannst! (ab nach links. Der Berater folgt ihm)
Erwin:(Erleichtert aufatmend) Na also!
Berufsberaterin:(von rechts) Die Mädchen kommen zunächst einmal zusammen herein! (geht ab nach rechts)
Martha:(zu Erwin) Schwachmatikus! (ab nach rechts)
Agnes:(Drückt Erwin die Hand) Nein: Der Sieger. (geht ab)
Brigitte:(gibt Erwin einen Rippenstoß) Mensch Erwin, das hast du prima hingekriegt! (Kurz vor dem Verschwinden zu den Zuschauern) Der Kerl ist eine Wucht, was?
Ende 
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Zuletzt geändert: 29.09.2007
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