Jungschar Untermais

Der Kirchendieb

Personen: (7)Der Pfarrer
Mathilde, seine Haushälterin
Talmeier, Zugehfrau im Pfarrhof
Wagner, Mesner
Waldemar Obermeister,ein Vertreter
Maximin Hollenrieder, genannt "Dackel-Max"
Der Wachtmeister
Spieldauer:ca. 40 Minuten
Mathilde:(sortiert Kirchenwäsche, seufzend) Da ist ja wieder allerhand zu flicken dran. Die Ministranten geben aber auch schon kein bisschen Acht auf die Sachen. Da ist der Saum abgerissen - da auch - da fehlt gar ein Stück von der Spitzenkante. Es ist schon ein rechtes Kreuz mit den Buben!
Talmeier:(tritt ein) Grüß Gott, Fräulein Mathild!
Mathilde:Grüß Gott, Frau Talmeier! Da schaun's her!
(zeigt) Da! Und da! - ja in dem Chorhemd ist sogar ein großes Loch! Wie sie das nur fertig bringen!
Talmeier:Ha! Da fragen's noch! Die Kerle sind doch von daheim her net gwöhnt, aufs Gwand aufzupassen! Aber denen tät ichs schon beibringen!
Mathilde:(belustigt)So? Und auf welche Weise?
Talmeier:Jedes mal ein paar an die Ohren oder vom Ministrantenlohn etwas abziehen.
Mathilde:Was redens denn da, Frau Talmeier! Sind halt Buben - und in dem Alter ...
Talmeier:Der Mesner müsst sich eben drum kümmern. Aber der lasst auch alle Viere grad sein. Und der Herr Pfarrer ist viel zu gut.
Mathilde:Sie regen sich da auf - ist ihnen diese Arbeit zu viel?
Talmeier:(erschrocken) Aber Fräulein Mathild! Ich hab doch bloß gmeint ... mir ist doch gleich, was für eine Arbeit sie mir schaffen. Sie dürfen doch net glauben, daß ...
Mathilde:Schon gut, Frau Talmeier! Wollen sie die Sachen zum Ausbessern mit nach Hause nehmen oder -
Talmeier:Wenns ihnen nichts ausmacht, flick ich's gleich da.
Mathilde:Schon recht. Hier ist das Nähzeug (Talmeier setzt sich zum Nähen)
Mathilde:(Will seitwärts in die Küche, kehrt wieder um) Ach, Frau Talmeier, was ich noch sagen wollte: Sie haben doch gestern den Spengler bezahlt?
Talmeier:Freilich, die Rechnung über das Kirchendach.
Mathilde:Und wo haben sie die?
Talmeier:Die hab ich ihnen doch gegeben, wie ich wieder zurückgekommen bin.
Mathilde:Nein, Frau Talmeier, Sie haben mir nichts gegeben. Ich hab allerdings auch vergessen, gleich danach zu fragen. Sie haben sie doch quittieren lassen?
Talmeier:Natürlich. Aber ich hab sie nimmer.
Mathilde:Doch nicht verloren?
Talmeier:Bestimmt nicht! Ich hab sie nicht aus der Hand gegeben und hab sie auch noch nicht in der Hand gehabt, wie ich herein gekommen bin.
Mathilde:(zweifelnd) Dann weiß ich nicht ...
Talmeier:Ich hab sie ihnen doch gleich gegeben, Fräulein Mathild!
Mathilde:(sehr bestimmt) Sie täuschen sich, Frau Talmeier! Ich habe die Rechnung überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Talmeier:Jetzt weiß ich nimmer, was ich sagen soll. (es läutet - Talmeier will öffnen)
Mathilde:Bleiben sie nur bei ihrer Arbeit. Ich mach schon auf. (öffnet)
Stimme des Vertreters:Guten Tag! Ich komme von der Firma -
Mathilde:Tut mir Leid. Ich kaufe grundsätzlich nicht an der Tür.
Stimme des Vertreters:Ich vertrete die Kunstgesellschaft Franz Huber in München. Der Name ist ihnen doch sicher bekannt?
Mathilde:(etwas freundlicher) Das wohl - bitte treten sie ein
Vertreter:Bin so frei (kommt herein)
Mathilde:Aber der Herr Pfarrer ist nicht da und ich ...
Vertreter:Aber bitte sehr, ich will ihnen ja nichts verkaufen, nur etwas Schönes zeigen. Ich darf doch bei ihnen Interesse an christlichere Kunst voraussetzen?
Mathilde:Ja - aber -
Vertreter:Gestatten - mein Name ist Waldemar Obermeister. (rückt die Näherei auf dem Tisch zur Seite, zu Talmeier) Nur ein kleines Eckchen! (schlägt einen großen Katalog auf. Zu Mathilde) Sehen sie hier! - und hier! - Was sagen sie nun?
Mathilde:(verlegen) Ich möchte mir da kein Urteil erlauben.
Vertreter:Hochmoderne Kunst, Verehrteste! Sehen sie, so etwas bringt frischen Wind in den verstaubten, kitschigen Kult der vergangen Jahre!
Mathilde:(wie oben) Ich weiß nicht -
Vertreter:Hier diese Kruzifix! Eines unsrer besten Stücke. Diese starke Linienführung! Diese Aussage -
Talmeier:(hat sich neugierig über den Katalog gebeugt) Oje! Das ist ja zum fürchten!
Vertreter:Wieso?
Talmeier:Der Herrgott schielt ja!
Vertreter:Damit will der Künstler die ganze Last der Schmerzen, die Qual des Todeskampfs zum Ausdruck bringen.
Talmeier:Wenn ich denk, ich müßt so etwas grässliches in meiner Stub den ganzen Tag vor Augen haben - na - na!
Vertreter:(nachsichtig lächelnd) Meine liebe Frau, sie würden wahrscheinlich auch nicht süß lächeln, wenn ihnen so etwas widerfahren würde. Hier eine Madonna in modernster Prägung (Zu Mathilde): Na?
Talmeier:Liebe Zeit, ist die lang - und dürr!
Mathilde:Frau Talmeier!
Talmeier:Ist das vielleicht net wahr? Schauen's doch hin!
Vertreter:Über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. (Zu Mathilde) Wie gefällt ihnen diese Krippendarstellung? Interessant diese gleichsam vergeistigte Auffassung der Mystik.
Talmeier:Was? Das soll eine Krippe sein? Ich seh keine Krippe und kein Jesuskindl.
Vertreter:(überlegen) Völlig veraltet! Hier! Dieser goldene Schein am Boden.
Talmeier:Aha! - Und was sind das für Stecken rechts und links?
Vertreter:Gute Frau, das sollten sie eigentlich wissen! Rechts Maria und links Josef.
Talmeier:Oh mi hats ghaut! Na! So etwas grässlichs tät ich mir nie in meim Leben kaufen und wenn ich noch soviel Geld hätt! (setzt sich kopfschüttelnd an ihre Arbeit)
Vertreter:Hier hätt ich noch -
Mathilde:Ich danke ihnen für ihre Liebenswürdigkeit. Aber sie müssen mich jetzt entschuldigen. Ich muss in die Küche. Sonst bekommt der Pfarrer heut kein Mittagessen.
Vertreter:Wann dürfte ich mir erlauben, ihm meine Aufwartung zu machen?
Mathilde:Nicht vor 2 Uhr bitteschön! Wiedersehn! (ab)
Talmeier:Beim Herrn Pfarrer werden's kein Glück haben. Der hat genug schöne Bilder und Figuren, aber schon was anderes wie sie!
Vertreter:(Der seine Mappen wieder einpackt)Na, wenn nicht für sich, dann braucht er vielleicht etwas für die Kirche. Ich war vorhin drüben. Da wär zwischen den zwei Beichtstühlen ein wunderschöner Platz - was hat man denn hier für einen Kirchenpatron?
Talmeier:Den hl. Sebastian. Warum?
Vertreter:Großartig! Da hätt ich etwas ganz Hervorragendes - (will wieder auspacken)
Talmeier:(indem sie ihre Näherei auf dem ganzen Tisch ausbreitet) Nix! Nix! Den Platz brauch jetzt ich!
Vertreter:(spöttisch) Na ja. Hoffentlich ist der Herr Pfarrer zugänglicher.
Talmeier:Gwiß net!
Vertreter:Wir werden ja schon sehen! Wiedersehen! (ab)
Talmeier:Braucht's net! - So was spinnats schicken sie einem von der Stadt heraus aufn Hals!
Mathilde:(Kommt zurück) Haben sie sichs jetzt überlegt, Frau Talmeier?
Talmeier:Was? Sie werden doch nicht glauben, dass ich dem was abkauf! Ich bin doch net verrückt!
Mathilde:Ich mein die Rechnung. Haben sie sie vielleicht in Papierkorb geworfen, versehentlich, mein ich.
Talmeier:Ja was denken's denn von mir, Fräulein Mathild! Wenn ich ihnen doch sag, daß ich sie net aus der Hand geben hab, weil ich mir doch gedacht hab: die darfst net verlieren. Hab ich sie ihnen net doch geben, Fräulein Mathild?
Mathilde:Bestimmt nicht, Frau Talmeier! Haben sie schon in ihren Taschen nachgesehen?
Talmeier:In meinem Rock habe ich keine Tasche und Schürze habe ich gestern keine angehabt.
Mathilde:Dann steckt die Rechnung bestimmt in ihrer Manteltasche. Möchtens nicht rasch heimgehen und nachschauen?
Talmeier:Jetzt von der Arbeit weglaufen?
Mathilde:Die bleibt ihnen schon. Sie sind ja gleich wieder da.
Talmeier:Dann geh ich halt. Aber ich weiß gwiß, dass es umsonst ist. (ab)
Mathilde:(Sucht in den Schubladen, falls vorhanden - unter Zeitungen und dergleichen ...) Zu dumm, wenn sie mir die Rechnung verschlampt hätte. Wahrscheinlich hat sie sie ja daheim. (Es klopft und der Mesner tritt ein)
Mesner:(auf dem Arm einen roten Ministranenrock) Grüß Gott, Fräulein Mathild!
Mathilde:Grüß Gott, Herr Wagner!
Mesner:Ich bring ihnen da eine Arbeit, d.h. nicht ihnen, für die Talmeierin halt.
Mathilde:Lassen sie sehen.
Mesner:Da schauen's her! Grad an einem Faden hängen die Träger noch, alle zwei! Und da wird nix gesagt. Das nächste mal verliert man dann den Rock am Altar und fertig ist die Blamage.
Mathilde:(lächelnd) Das wär so was! Gut, daß sie ein wachsames Auge haben, Herr Wagner.
Mesner:Ja, da muss man schon hinterher sein bei den Burschen.
Mathilde:(nimmt den Rock) Warten's einen Augenblick. Ich machs selber, dann könnens ihn auch gleich wieder mitnehmen. (setzt sich an den Tisch zum Nähen)
Mesner:Sie richten grad die Kirchenwäsche her? Die zwei Altartücher von den Seitenaltären könntens Waschen auch brauchen. Bis zum Patronzinium ists doch noch zu lang.
Mathilde:freilich. Bringen sie sie mir nur herüber. (Mesner will gehen. Talmeier stürmt aufgeregt herein)
Talmeier:Fräulein Mathild! Fräulein Mathild! Denken sie sich nur: in Weinstetten drüben hat man den hl. Florian gestohlen!
Mathilde:Was sie nicht sagen!
Talmeier:(wichtig) 60 Mio. Lire ist der Wert, weil er schon über hundert Jahr alt ist.
Mesner:(spöttisch) Wo bringst denn die Neuigkeit wieder her?
Talmeier:(wirft ihm meinen giftigen Blick zu. Zu Mathilde) Bei der Lenzbäuerin ist grad ihr Bruder. Der ist Messner in Weinstetten. (bissig zum Messner) Und der muss es ja wissen, oder net?
Mesner:Da hätt man aber doch was in der Zeitung glesen.
Talmeier:Wenn's doch erst vorgestern passiert ist!
Mathilde:Gehts jetzt in unserer Gegend auch schon los mit diesen Kirchendiebstählen!
Talmeier:Auf einmal passierts bei uns auch! Werden's sehen!
Mathilde:Wir haben schon keine Kostbarkeiten in unserer Pfarrkirche.
Talmeier:Außer die Anna Selbdritt? Der Herr Pfarrer hat einmal gsagt, die sei so wertvoll.
Mathilde:Ja das stimmt.
Mesner:Ach was! Die müsst man ja erst von der Tragstange absägen und dann ging sie noch lang net in eine Aktentasche hinein.
Talmeier:In der Nacht -
Mesner:(Unterbricht sie grob) - ist unsere Kirche zugsperrt und die alten Schlösser bringt keiner auf. (Stimme draußen: Zeitung!)
Talmeier:Jetzt werden wirs ja gleich sehen! (ab, kommt mit der Zeitung wieder, die sie hastig öffnet)
Mathilde:(fordernd) Bitte!
Talmeier:Entschuldigens Fräulein Mathild! (Gibt ihr die Zeitung, alle drei schauen interessiert hinein)
Mathilde:Da! (liest vor) "Frecher Kirchendiebstahl in Weinstetten. In der Nacht zum Montag wurde in der hiesigen Pfarrkirche die Statue des hl. Florian entwendet, das Werk eines einheimischen Bildschnitzers, der sie um die Jahrhundertwende der Pfarrkirche stiftete. Sie ist auf etwa 10 Mio. Lire geschätzt."
Mesner:(triumphierend zu Talmeier) Also net 60 Mio Lire und noch lang keine hundert Jahre alt!
Talmeier:(spitz) Zeitungen wissen auch nicht alles und lügen eh wie gedruckt.
Mathilde:Immerhin - in unsrer Gegend treibt sich also ein Dieb herum. Ich werd mit dem Herrn Pfarrer reden, ob man nicht auch untertags unsre Kirche absperren sollt.
Messner:Ich werd jetzt die Altartücher holen (ab)
Mathilde:(ruft ihr nach) Frau Talmeier! Die Rechnung! Frau Talmeier - ! Die hört schon nicht mehr. Wetten, daß sie jetzt in der Kirche kontrolliert, ob bei uns nicht auch etwas fehlt! Wär mir lieber, sie würde nach der Rechnung suchen. Anscheinend hat sie sie daheim nicht gefunden. (ab in die Küche)
Talmeier:(kommt nach kurzer Zeit aufgeregt zurück, hinter ihr der Messner) Fräulein Mathild! Fräulein Mathild! (reißt die Küchentür auf)
Mathilde:Was ist denn nun wieder los?
Talmeier:(läßt sich auf einen Stuhl fallen) Jetzt haben wirs!
Mathilde:Die Rechnung?
Talmeier:Nein! Das Prager Jesuskindl.
Mathilde:Das ist doch kein Grund zur Aufregung. Freilich haben wirs in der Kirche drüben.
Talmeier:Eben net! Unser Prager Jesuskindl - da kann ich gar nimmer reden!
Mesner:Ich tät halt sagen: es ist nimmer da!
Mathilde:(erschrocken) Doch nicht etwa - auch - gestohlen?
Mesner:Jedenfalls ist die Nische unter der Kanzel leer. Und ich könnt schwören dass ich s gestern Abend beim Gebetläuten noch gesehen hab.
Mathilde:Das ist aber eine böse Geschichte! Was wird der Herr Pfarrer sagen?!
Talmeier:(kopfschüttelnd) Na! Na! Sind die Leut heutzutag schlecht! Wie sie sich nur nicht der Sünd fürchten! Der ghört doch gleich aufghängt!
Mesner:Erst muß man ihn haben! Viel wird er net dran haben. Die Figur hat doch kaum einen Wert.
Mathilde:Vielleicht doch. Voriges Jahr hätt ein Kunsthändler unserem Herrn Pfarrer viel Geld dafür geboten. Er hat sie aber natürlich nicht hergegeben. Der Kopf des Jesuskindes ist nämlich aus Elfenbein geschnitzt.
Talmeier:Mir hats auch immer so gut gefallen und ich habs unter der ganzen Predigt anschauen müssen. Ich hab mir schon lang gedacht: Dem machst einmal ein neues Mäntelchen, weils schon so kaputt war. Und jetzt -
Mesner:Wies nur hat sein können! Die Kirche war ordnungsgemäß zugsperrt, wie ich heut früh zum Gebetläuten kommen bin. Sonst war heut noch niemand in der Kirche, nachdem der Herr Pfarrer heut auswärts die Messe liest.
Mathilde:Eben der HErr Pfarrer halt, bevor er in die Filiale gegangen ist. Dem ist aber auch noch nichts aufgefallen, sonst wäre er doch nochmal zurückgekommen. Mir ist das ein Rätsel.
Mesner:Halt! Mir fällt etwas ein. Wie ich vom Turm herunter kommen bin, hab ich den Dackel-Max durch den Friedhof schleichen sehen.
Mathilde:Ach der! Der ist doch harmlos!
Mesner:Mhm! Aber Geld kann der immer brauchen, der Tagdieb.
Talmeier:Ha! Ich hab einen Verdacht: der Kerl mit seinen Heiligenfiguren, der grad vorhin da war!
Mathilde:(entrüstet) Aber Frau Talmeier!
Talmeier:Er hat doch selber zu mir gesagt, dass er schon in der Kirche drüben war und einen Platz für eine neue Figur gesehen hat. Ist ja klar: unser Jesuskindl hat er mitgnommen, damit man bei ihm einen Ersatz kaufen soll. So ein Lump.
Mathilde:(streng) das geht zu weit, Frau Talmeier, so einen Verdacht auszusprechen.
Mesner:Kriegen sollt man ihn schon, den Spitzbuben.
Mathilde:Das ist Sache der Polizei.
Talmeier:Ja natürlich! Rufens doch gleich an, Fräulein Mathild!
Mathilde:Wir wollen doch lieber warten bis der Herr Pfarrer da ist. Er muß ja bald zurück sein.
Talmeier:Und derweil ist der Kerl schon über alle Berge!
Mesner:Wens net schon überhaupt zu spät ist.
Mathilde:Ach herrje, meine Suppe läuft über! (schnell ab)
Messner:Ich wär ja schon dafür, dass man gleich anruft.
Talmeier:Ich auch! (geht zum Telefon)
Mesner:Wenn sies (deutet mit dem Daumen zur Küche) doch net haben will!
Talmeier:Ah was! Hinternach heißts dann doch: Hätt man! Hätt man! (wählt)
Mesner:Bis die kommen dauerts auch wieder eine Weile.
Talmeier:Die sind motorisiert! In 0,5 - - - sind die schon da! (will dem Mesner den Hörer geben. Der winkt ab und geht schnell hinaus)
Talmeier:Feigling! (ins Telefon) Nein, nein, bitt schön entschuldigens. Sie hab ich doch net gemeint, Herr Wachtmeister. Ganz bestimmt net! Was glaubens denn! Wie bitte? - ja hier ist die Gendarmariestation - ah, was sag ich denn - entschuldigens. Wissnes, ich bin ganz durcheinander, weil - Wer da spricht? - Der Pfarrhof natürlich - ah - das heißt die Frau Talmeier - Lassens mich halt ausreden - freilich ists was wichtiges, sehr wichtig sogar und dringend, sag ich ihnen! - Was? - Ich bin ja grad dabei. Also passens auf. Wir habe ndoch in unserer Kirche ein Prager JEsuskindl - oder vielmehr gehabt. Wie bitte? - Ja wenn sie net in die Kirche gehen, dann können sies freilich net wissen. - - - Was? Interessiert sie net? Sie sind gut! Für was zahlen wir sie nachher! - - Ja wenn sie so daherreden - - Wieso denn? Ich hab doch nix unrechts gesagt. - Von mir aus! Dann sollen die Lumpen nur die Kirchen in der ganzen Umgebung ausrauben. - Aber das hab ich Ihnen doch die ganze Zeit sagen wollen. - - jetzt langts mir aber! Wollens jetzt kommen oder net? - Na also! (während sie auflegt). Rutsch mir doch den Buckel runter du tamischer Kerl, tamischer.
Mathilde:(hat das letzte noch gehört)Mit wem reden sie denn? - Sie haben doch telefoniert? Gewiß die Gendarmerie angerufen?
Talmeier:(etwas verlegen) Ja - sinds mer nit bös. Ich hab mir halt gedacht ..
Mathilde:Vielleicht haben sie recht, es könnte sonst wirklich zu spät sein. Aber sehr freundlich war ihr Ton gerade nicht.
Talmeier:Wenn er mich doch so saudumm angred hat, der Wachtmeister, der neue. Aber ein ganz gerissener muß das sein. Der bringt alles heraus, sagen die Leut. Werdens sehen, der findet auch bei uns, wers war.
Mathilde:Wollen wirs hoffen. Aber was anderes, Frau Talmeier: Haben sie die RechnEung zu Hause gefunden?
Talmeier:(erschrocken) Die Rechnung! Oje, das hab ich ja ganz vergessen! Wissnes, ich bin ja gar nicht mehr heim, wie ich die Neuigkeit vo nWeinsteten gehört hab. Aber jetzt lauf ich schnell heim. (ab)
Mathilde:Ich sehs schon kommen, dass ich die Rechnung nochmal ausstellen lassen muß. Eine quittierte Rechung! Ist mir das peinlich!
Mesner:(mit den Altartüchern) Ic hhab nochmal nachgeschaut in der Kirche drüben, ob ich keine Spur entdeck - nix!
Mathilde:Das müssen wir schon der Polizei überlassen. (horcht) Da ist sie schon (Mathilde öffnet die Tür)
Stimme des Wachtmeisters:Wachtmeister Schiele. Von hier aus ist angerufen worden?
Mathilde:Ja. Bitte kommen sie herein, Herr Wachtmeister.
Wachtmeister:(tut sehr wichtig) Waren sie am Telefon?
Mathilde:Nein, unsere Zugehfrau, Frau Talmeier.
Wachtmeister:Aha! Dacht ich mir!
Mathilde:(verwundert) Wiso?
Wachtmeister:Das konfuse Geschwätz hätt gar nicht zu ihnen gepasst. (Messner grinst)
Mathilde:(lächelt) Danke für die Blumen.
Wachtmeister:Blumen? (schaut seine leeren Hände an)
Mathilde:(wie oben) Sie haben mir gerade ein Kompliment gemacht. Falls sie meine Personalien brauchen: ich bin hier Pfarrhaushälterin, Mathilde Hofer.
Wachtmeister:Ja, kommen wir zur Sache. Es handelt sich angeblich um ein Kind, das in der Kirche verschwunden ist. Sind die Eltern schon verständigt?
Mathilde:(wie oben) Kleiner Irrtum, Herr Wachtmeister! Es handelt sich um eine Figur, ein Prager Jesulein.
Wachtmeister:Aha! Eine genaue Beschreibung bitte! (holt ein Notizbuch aus der Tasche und schreibt in der Folgezeit eifrig mit)
Mathilde:Etwa 30 cm hoch, Kopf aus Elfenbein, hat ein rotes, schon etwa zerschlissenes Mäntelchen an.
Mesner:Und auf dem Kopf eine goldene Krone.
Wachtmeister:Echt?
Mathilde:(lächelnd) Sicher nicht.
Wachtmeister:So. Und seit wann wird die Figur vermisst?
Mathilde:Gemerkt haben wirs erst vor einer halben Stunde etwa.
Mesner:Um 6 Uhr morgens war sie noch da.
Wachtmeister:(schreibt) Also: Entwendet zwischen 6 und 9 Uhr. Haben sie einen Verdacht?
Mathilde:Nein, VErdacht kann man das nicht heißen, was sie meinen, Herr Wagner.
Wachtmeister:(in lehrhaftem Ton) Jede Mutmaßung ist von Wichtigkeit und ich muß sie dringend ersuchen, nichts zu verheimlichen. Die kleinste Kleinigkeit kann zur Entdeckung des Täters führen. Also -?
Mesner:Ja, ich hab halt den Dackel-Max heut früh im Friedhof gesehen.
Wachtmeister:(buchstabiert schreibend) Also einen gewissen Max Dackel.
Mathilde:Aber nein, so heißt er ja gar nicht! Das ist nur so etwas wie ein Spitzname.
Wachtmeister:Wie kommt er zu dem sonderbaren Namen?
Mathilde:Das weiß ich auch nicht.
Mesner:Weil er halt die Hunde, die herrenlos herumlaufen, einfangt und in der Stadt dann verkauft.
Wachtmeister:(streng) Das ist ja strafbar! Was hat er denn für einen Beruf?
Mesner:Beruf hat der keinen. Gelegentlich arbeitet er ein bißchen, wenn er grad gar kein Geld mehr hat.
Wachtmeister:Sehr verdächtig! Wie heißt er aber nun wirklich?
Mathilde:Ja, das weiß ich nun auch nicht.
Mesner:Bei uns sagt alles bloß Dackel-Max zu ihm.
Wachtmeister:Na ja, werden wir schon kriegen. - Und sonst haben sie keinen Verdacht?
Mathilde:Nein. Und der Max hat sicher auch nichts mit der Sache zu tun.
Wachtmeister:Das wird sich ja herausstellen.
Talmeier:(kommt aus dem Hintergrund vor) Aber ich hab einen Verdacht, Herr Wachtmeister!
Wachtmeister:Was wollen sie hier? Fremde haben keinen Zutritt!
Talmeier:(entrüstet) Fremde! Wie kommen sie mir denn vor!
Mathilde:Das ist unsere Zugehfrau, die Frau Talmeier.
Wachtmeister:Aha! Sie haben telefoniert?
Talmeier:(stolz) Jawohl, ich, Herr Wachtmeister!
Wachtmeister:(tritt ganz nah vor sie hin, daß sie etwas zurückweicht und schaut sie scharf an) Und sie haben mich - na, lassen wir das vorläufig. Also, was für einen Verdacht haben sie?
Talmeier:(wichtig)Also: da lauft heut so ein Hausierer herum mit Heiligenfiguren -
Mathilde:Frau Talmeier!
Wachtmeister:(streng) Wir müssen jede Spur verfolgen. (zu Talmeier) Wiso halten sie den für verdächtig?
Talmeier:Der war heut schon in unserer Kirche drünben.
Mathilde:(vorwurfsvoll) Aber Frau Talmeier!
Talmeier:Dem trau ich's schon zu.
Wachtmeister:Wie heißt der Mann?
Talmeier:Ja, das weiß ich net.
Mathilde:Obermeier, oder so ähnlich, aber Herr Wachtmeister ...
Wachtmeister:(hat sich Notizen gemacht) Wer war sonst noch in der fraglichen Zeit in der Kirche?
Mathilde:Außer dem Herrn Pfarrer noch niemand.
Mesner:(zu Talmeier) Aber du warst heut schon drüben!
Talmeier:(wütend) Du vielleicht net? Zweimal sogar!
Wachtmeister:Aha! (zückt den Bleistift, zum Mesner) Sie heißen?
Mesner:Stefan Wagner. Aber das ist doch lächerlich, wenn sie glauben...
Wachtmeister:(zu Talmeier) Und ihr Name?
Talmeier:Anastasie Katharina Talmeier. JEtzt möcht ich doch wissen, zu was...
Wachtmeister:Sie bleiben vorläufig hier!
Mesner:Na so etwas!
Talmeier:Da hört sich doch alles auf! (gleichzeitig)
Mathilde:(verschmitzt lächelnd) Da ich heut noch nicht in der Kirche drüben war, darf ich wohl gehen?
Wachtmeister:Selbstverständlich, gnädiges Fräulein. (Mathilde ab)
Mesner:Wie kommen sie dazu...
Talmeier:Also das verbitt ich mir ganz einfach. (gleichzeitig)
Wachtmeister:Sie haben sich gar nix zu verbitten, sondern meinen Anordnungen strikte Folge zu leisten, verstanden!
Talmeier:(kleinlaut) Jawohl, Herr Wachtmeister!
Wachtmeister:Die beiden Verdächtigen sind unverzüglich vorzuführen. Da ist einmal dieser Max Dack - oder wie der heißt.
Mesner:Der ist doch schon lang abghaut!
Talmeier:Ah woher denn! Den hab ich grad vorhin zum "Ochsen" hineingehen sehen.
Wachtmeister:Aha! Dann der andere, der hausierer. Da werd ich am besten die Nachbarstationen anrufen. (will telefonieren)
Talmeier:Na des brauchts net, Herr Wachtmeister. Der hockt ganz gwiß auch drüben im "Ochsen", denn der wartet auf den Herrn Pfarrer, daß er ihm was abkauft.
Wachtmeister:Na gut! Das vereinfacht die Sache ja sehr. Dann lassen wir uns die zwei durch die Ortspolizei vorführen. Wer ist denn hier Gemeindediener?
Mesner:Das bin ich.
Wachtmeister:Also dann holen sie mir die zwei, sagen aber kein Wort, um was es geht, verstanden?
Mesner:Ist schon recht. (ab)
Talmeier:(erbost) So! Der darf gehen, obwohl der heut schon zweimal in der Kirche drüben war und ich bloß einmnal. Ich geh jetzt auch!
Wachtmeister:(donnert sie an) Dageblieben!!
Talmeier:(wie oben) Sie spinnen wohl?
Wachtmeister:(drohend) Wie bitte?
Talmeier:Ja glauben sie wohl, ich hätt sie antelefoniert, dass sie komm sollen, wenn ich die Figur - ah - ah - das ist die größte Gemeinheit!
Wachtmeister:(wie oben) Was habens gsagt?
Talmeier:Ich lass mir das einfach nicht gfallen, dass sie mich verdächtigen.
Wachtmeister:Kein Wort von Verdacht bisher. Aber wenn sie sich gar so zur Wehr setzen, muß ich annehmen...
(Messner kommt mit den beiden Männern)
Vertreter:(vergnügt) Guten Tag! Sehr erfreut, dass sie mich rufen lassen - oh, ich dachte, der Herr Pfarrer sei schon zurück. Habe die Ehre, Herr Kommissar. Sie haben Interesse an unserer Kollektion. Darf ich sie ihnen einmal rasch zeigen? (will die Mappe öffnen)
Wachtmeister:(dienstlich) Zulassen! Ihr Name bitte!
Vertreter:(erstaunt) Waldemar Hofmeister, Vertreter der Firma Franz Huber, München, christliche Kunst.
Wachtmeister:Sie waren heute in der Zeit zwischen 6 und 9 Uhr in der hiesigen Pfarrkirche?
Vertreter:(wie oben) Stimmt, ganz kurz. Aber was soll das?
Wachtmeister:Danke, genügt vorerst. (zum Dackel Max) Und ihr Name?
Dackel-Max:Florian Eusebius Maximin (kratzt sich am Kopf) Hol - Hol - Teixel, jetz weiß i mein Namen bald selber nimmer. Hollenrieder, glaub i.
Wachtmeister:Glaub i! Wissen sie was ich glaube? Dass sie schon z utif ins Glas geschaut haben!
Dackel Max:Je! Meine halbe Bier! Die wird ja schlecht! Bin gleich wieder da! (will schnell ab)
Wachtmeister:(hält ihn zurück) Das könnt ihnen so passen! Nun Herrschaften alle einmal herhören. Sie waren heut in der Zeit zwischen 6 und 9 Uhr in der Kirche drüben.
Dackel-Max:Was! Aber ich net bitteschön! Mich hat schon lang keiner mehr in der Kirche gesehen.
Wachtmeister:Aber auf dem Friedhof sind sie heut gesehen worden. Wollen sie das leugnen?
Dackel-Max:Gar net!
Wachtmeister:Na also! Was hatten sie heut schon auf dem Friedhof zu suchen?
Dackel-Max:(grinst) Da hab ich gar net lang suchen müssen. So ein zsammpantschter Spitz-Pudel-Dackel-Schnauzer springt scho nwieder auf dem Friedhof herum und der Herr Pfarrer hatschon lang zu mir gsagt, den soll ich mal fangen.
Wahtmeister:Aha! Und den haben sie wieder zu Geld gemacht, was?
Dackel-Max:Wenn ich ihn erwischt hätt, schon!
Vertreter:(zum Wachtmeister) Nun erlauben sie mal, Verehrtester! Um was geht es denn eigentlich? Mit Hunden hab ich absolut nichts zu tun.
Wachtmeister:(sehr dienstlich) Der Tatbestand ist folgender: In der hiesigen Pfarrkirche wurde heut Morgen zwischen 6 un d9 Uhr eine Figur entwendet. Sämtliche hier anwesenden Personen waren in der fraglichen Zeit...
(gleichzeitig)
Vertreter:Das ist doch die Höhe! Sie wagen es, mich zu verdächtigen, daß...
Mesner:Ist ja lächerlich! Ausgerechnet ich als Mesner...
Dackel-Max:Da muß ich aber lachen! Ich und eine Heiligenfigur?
Talmeier:(hat den längsten Atem) Jetzt reichts mir aber, hast ghört, Wachtmeister? Glaubst denn du, ich lass mir alles gfallen von dir? Ich geh jetzt heim!
Wachtmeister:(vertritt ihr den Weg, scharf) Sie bleiben da! Sie renitente Person, sie!
Talmeier:(wütend) Du kannst mich doch - spinnater Uhu! (gibt ihm einen Stoß und rennt zur Tür, wo sie mit dem Pfarrer zusammenstößt)
Pfarrer:(amüsiert) Hallo, Frau Talmeier! Warum so stürmisch! Wo brennts denn? - welch illustre Gesellschaft treff ich denn hier an? Grüß Gott, Herr Wachtmeister!
Wachtmeister:Grüß Gott Herr Pfarrer! Sie entschuldigen schon, daß ... (alle durcheinander)
Vertreter:Unerhört! So etwas ist mir noch nie vorgekommen. Ich werde mich gegebenen Orts beschweren und nicht zu knapp!
Messner:So ein Krampf! Reinste Zeitverschwendung! Der kriegt doch nie etwas heraus, wen ner so weiter macht!
Dackel-Max:(Reibt sich die Hände) Großartig! Endlich doch einmal was los! Ganz recht, wenn andre Leut auch in die Zwickmühl kommen!
Talmeier:Also Herr Pfarrer, 20 Jahr bin ich jetzt da im Pfarrhof! Hab ich je einmal nur so viel (zeigt am Fingernagel) weggenommen? Und jetzt will der da behaupten...
Pfarrer:Aber - aber - um was geht es denn überhaupt? Ich hab ja keine Ahnung.
(alle wie oben)
Mathilde:(tritt schnell ein) Gott sei Dank, daß sie hier sind, Herr Pfarrer! Bei uns gehts heut drunter und drüber.
Pfarrer:(amüsiert)Den Eindruck hab ich auch. Was ist eigentlich los, daß die hohe Polizei hier ist?
(alle wollen wieder reden)
Wachtmeister:(wichtig) Ic hhab einen Diebstahl in Ihrer Kirche aufzuklären und da...
Pfarrer:Einen was? Kirchendiebstahl bei uns? Ja was in aller Welt...?
Mesner und Talmeier:Unser Prager Jesulein -
Pfarrer:(lachend) Gestohlen? (lacht laut, alle sehen sich verblüfft an)
Mathilde:(vorwurfsvoll) Aber Herr Pfarrer, Sie können da lachen! Wenn un der Dieb damit schon über alle Berge ist?
Pfarrer:(wie oben) Oh nein, der ist nämlich hier!
Alle:
Mathilde:(entsetzt) Hier im Pfarrhof?
Pfarrer:(schmunzelnd) Jawohl. Wenn Sie's genau wissen wollen: hier im Zimmer!
(alle sehen einander mißtrauisch an)
Wachtmeister:Sie kennen den Dieb also, Herr Pfarrer? Seinen Namen bitte!
Pfarrer:Lassen SIe mich zuerst erklären: Unser Prager Jesulein hat mir schon lange leid getan in seinem zerschlissenen roten Mäntelchen. Und weil uns die alte Ursula in Heinhofen drüben unsere Krippenfiguren so schön gekleidet hat, hab ich'S heut frühz zu ihr hingebracht.
(alle durcheinander))
Mathilde:Gott sei Dank!
Messner:Da siehts mans wieder -
Vertreter:Na also! Wozu dann das Affentheater!
Dackel-Max:Pfundig! Pfundig! Is das eine Gaudi!
Talmeier:Hab ich mir doch gleich gedacht! Bei uns wird nix gstohlen.
Wachtmeister:(steckt sein Buch ein) Damit erübrigt sich alles Weitere.
Talmeier:Na klar! Der Fall ist erledigt.
Wachtmeister:(streng) Für die anderen ja - für sie nicht! Sie bleiben noch da. (Dackel-Max mit Mesner ab)
Talmeier:(fassungslos) Ja aber - wiso denn?
Wachtmeister:(wie oben) Sie haben einen Strafbefehl zu erwarten wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Pfarrer:(amüsiert) So, so Frau Talmeier! Sie müssen ins Kittchen! Aber! Aber!
Talmeier:(flehend) Bitt schöne, Herr Pfarrer, helfen'S mir doch! Meiner Lebtag hab ich noch nix mit dem Gericht zu tun ghabt - und jetzt! Die Schand überleb i net!
Mathilde:Das wird doch mit Geld abzumachen sein, nicht?
Pfarrer:Kommen sie doch bitte, Herr Wachtmeister! (spricht im Hintergrund versöhnlich und mit sichtlichem Erfolg auf ihn ein)
Talmeier:Ja, ja, lieber zahlen als - O Gott! O Gott!
Vertreter:Zahlen werden sie ohnehin müssen, meine Liebe! In der Zeit hätt ich womöglich ein gutes Geschäft machen können. Und außerdem: Wenn meine Firma erfährt, wie abfällig sie sich über unsere Kunstgegenstände geäußert haben - das ist Geschäftsschädigung undkann sie eine Stange Geld kosten.
Talmeier:(jammernd) O liebs Herrgöttl von Biberah, was kommt heut doch alles über mich!
Mathilde:(tröstend) Der HErr wird bestimmt mit sich reden lassen, wenn sie eine kleine BEstellung aufgeben. (Zum Vertreter) Nicht wahr, Herr Hofmeister?
Vertreter:(gnädig) Man ist schließlich kein Unmensch - was solls denn sein? Die Krippe vielleicht?
Talmeier:Von mir aus! - (Schnell) Was kostet die denn?
Vertreter:Wir haben sie in verschiedenen Ausführungen. Die sie vorhin gesehen haben, ist die billigste - kommt auf 80 ¤
Talmeier:Wa-as! Ja sind sie denn ver - - -
Mathilde:(warnend) Frau Talmeier!
Vertreter:Immerhin noch billiger als ein Rechtsanwalt!
(zum Pfarrer, der wieder nach vorn gekommen ist) Dürfte ich auch dem Herrn Pfarrer meine Kollektion "ars sacra" zeigen? Sehr schöne, ganz moderne Sachen
Talmeier:Mhm!
Pfarrer:(Seufzend) Wenns sein muß - kommen sie bitte in mein Studienzimmer. (läßt ihn vorangehen) Behüt Gott Herr Wachtmeister und danke für ihre Bemühungen.
Wachtmeister:Bitt schön, gern gschehn. Wiedersehn! (will ab)
Talmeier:Um Gotteswillen, halt! Sie!
Wachtmeister:(an der Tür) Was denn noch?
Talmeier:(ängstlich) Nein, nein, nix, nix! Es ist bloß wegen -
Pfarrer:(lächelnd) Schon in Ordnung, Frau Talmeier! Nicht wahr Herr Wachtmeister?
Wachtmeister:Für diesmal, wie versprochen, Herr Pfarrer. (fixiert die Talmeier scharf) Für diesmal, wohlgemerkt! - Wiedersehn! (ab)
Talmeier:Vergelts Gott, Herr Pfarrer.
Pfarre:Hütens halt ihre Zunge künftig! Er ist immerhin eine Amtsperson.
Talmeier:Der? EIn blöder Kerl ist der! (schaut ängstlich zur Tür) Aber ich bin schon still.
Pfarrer:Hoffen wirs! Aber ich will den Herrn da drin nicht länger warten lassen. (ab)
Talmeier:(zu Mathilde) Ist der jetzt ein Blödian oder net? Mich verdächtigt der! Mich!
Mathilde:Mich interessiert jetzt nur eins: die Rechung! Ich muß sie unbedingt haben. Der Herr Pfarrer braucht sie dringend zur Abrechnung mit der Kirchenstiftung.
Talmeier:(jammernd) Heut ist scho nein rechter Unglückstag für mich. In meiner Manteltasche war sie auch net. Hätt ich ja auch gar nie getan, bloß einfach einstecken wie ein Sacktuch. Aber das weiß ich gwiss: da herinnen hab ich sie doch ghabt, weil ich mir noch gedacht hab: die mußt gut aufheben, daß sie net verloren geht.
Mathilde:(seufzend) Aber wo, Frau Talmeier! Wo? (sucht nochmal in Schubladen, unter dem Schrank)
Talmeier:Ja, wo? (ringt die Hände) Lieber heiliger Antonius, hast du mir doch immer geholfen, wenn ich was verschlampt hab! Und jetzt laßt mich so im Stich! Ich opfre dir die dickste Kerze, wenn du mir bloß diesmal noch hifst! (schaut pathetisch nach oben - schreit) Ich habs! Ic hhabs (holt die Rechung, die im Rahmen eines Bildes steckt) Ich habs doch gewußt, daß ichs gut aufghoben hab!
Mathilde:Ob das der richtige Platz dafür ist?
Talmeier:(fröhlich) Hauptsach - sie ist da!
Mathilde:(lächelnd) Dafür haben sie jetzt eine Krippe am Hals, die sie für sooo gräßlich gefunden haben!
Talmeier:Tut nix! Für ein Vogelhäusel gehts schon!
Ende 
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Zuletzt geändert: 29.09.2007
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